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9. November 2012

Majoran – Eine Pflanze mit Heilkraft


Allgemeines
Majoran soll ursprünglich aus Asien kommen. Er wird heute aber in ganz Europa angebaut. Man unterscheidet Gartenmajoran, Kretischen Majoran und Wilden Majoran oder Oregano. Die Herkunft des Namens wird vermutlich vom altfranzösischen Wort „mariol“ abgeleitet und spielt auf die Blütenknollen an, die wie kleine Marionetten aussehen. Die Pflanze wird in der Blüte geerntet, da sie dann den höchsten Gehalt an Aromastoffen hat. Der Duft bleibt in gut verschlossenen Gefäßen über mehrere Jahre erhalten.

Inhaltsstoffe und Wirkung
Foto: Wirths PR
Über die tatsächlichen Heilwirkungen ist man sich allerdings noch nicht einig. Vieles beruht auf Überlieferungen, schon in der Antike rankte viel Mythos um das aromatische Kraut. Und obwohl Majoran sowohl ätherisches Öl, als auch andere sekundäre Pflanzenstoffe enthält, spielt er arzneilich heute kaum mehr eine Rolle. Das gilt auch für Salben aus Majoran. Die alten Griechen versuchten damit, den natürlichen Farbglanz des Haares und der Augenbrauen zu erhalten. Die Salbe sollte außerdem bei nervösen Leiden, Magenbeschwerden und Blähungen Abhilfe schaffen. Bei Säuglingen und Kleinkindern wurde sie als Schnupfensalbe, sowie bei Verrenkungen und Wunden eingesetzt. In der Antike wurde Majoran auch dem Wein beigegeben, um Liebeskräfte zu wecken.

Verwendungsformen und Darreichung
Als Teeaufguss verwendet man Majoran bei Nervenkrankheiten, Erkältungen, Verdauungsbeschwerden mit Blähungen und Krämpfen, Heuschnupfen und auch bei Mundschleimhautentzündungen. Nebenwirkungen sind bei richtiger Dosierung keine bekannt. Überdosierung und zu langer Gebrauch können allerdings zu Kopfschmerzen und Benommenheit führen.

Sonstiges
Wesentlich mehr Freunde hat Majoran in der Küche. Dem Geschmack nach ähnelt er dem Thymian, ist aber süßer und aromatischer. Er macht Fleisch schmackhafter und passt hervorragend in Eintöpfe, Suppen, Salate und zu gekochtem Gemüse (Bohnen und Kohl werden bekömmlicher). Geben Sie ihn erst gegen Ende der Kochzeit dazu, so behält er sein gutes Aroma.


Andorn – die Heilpflanze mit Wirkung


Allgemeines
Älteste archäologische Nachweise in Mitteleuropa deuten darauf hin, dass uns der Gewöhnliche Andorn schon seit der Jungsteinzeit (4000 v. Chr.) begleitet. Diese schon früh kultivierte Pflanze wächst gerne an Wegrändern und Hofplätzen und ist gerade im Mittelmeergebiet weit verbreitet. Doch auch in Nordeuropa, Nord- und Südamerika, sowie Australien kann man ihn mittlerweile finden. Die dicht filzig behaarte Staude wird zwischen 30 und 60 cm hoch und besitzt eiförmige Blätter mit gekerbt-gesägtem Rand. Der Gewöhnliche Andorn hat kleine, weiße Blüten, die von Mai bis August zu sehen sind.

Inhaltsstoffe und Wirkung
Gerade in der Volksmedizin wird Andorn gerne eingesetzt. Die in ihm enthaltenen Gerb- und Bitterstoffe regen die Ausscheidung von Körperflüssigkeiten an. Damit wirkt er im Bereich der Atemwege ausgesprochen schleimlösend und fördert das Abhusten. Im Verdauungsbereich hilft er bei dyspeptischen Beschwerden (Blähungen und Völlegefühl). Dies wird durch erhöhte Bildung von Galle und Schleimabsonderung im Darm erreicht.

Foto: Schoenenberger / Wirths PR
Verwendungsformen und Darreichung
Der aus frischem Andornkraut gewonnene Presssaft ist in Apotheken und Reformhäusern erhältlich. Mit diesem kann man sich die heilkräftige Wirkung gut und einfach zunutze machen. Aus getrockneten Blättern und den oberen Stängelteilen der Pflanze kann auch Tee gewonnen werden.

Sonstiges
Gewöhnlicher Andorn hat im Volksmund eine Vielzahl von Namen: Weißer Andorn, Weißer Dorant, Gotteshilfe, Gottvergessen, Helfkraut, Berghopfen, Mariennessel, Marobelkraut, Mutterkraut, Siegminzenkraut und Weißleuchtkraut.


Baldrian - die Wunderwurzel

Allgemeines

Baldrian gehört zu den ältesten Heilpflanzen überhaupt. Schon Hippokrates, der Urvater der Medizin, schwor auf die Heilkräfte dieser „Wunderwurzel“, auch Plinius und Hildegard von Bingen hoben die vielfältigen medizinischen Einsatzmöglichkeiten des Baldrians hervor. Auch heute noch ist die Pflanze fester Bestandteil der Naturheilkunde. Baldrian findet man auf feuchten Wiesen und in Fluss- und Bachniederungen in ganz Europa. Heilkraft besitzen allein die Wurzelstöcke und die Wurzeln des unscheinbaren, fiederblättrigen Gewächses. Die Wurzeln werden üblicherweise im September ausgegraben und verarbeitet.

Baldrian ist ein ideales Beruhigungsmittel.
Foto: Wirths PR / Schoenenberger
Inhaltsstoffe und Wirkung
Baldrian ist der Beruhiger schlechthin. Sein besonderer Wert liegt in seiner beruhigenden Wirkung auf unser Nervensystem, ohne dabei zu betäuben oder die Leistungsfähigkeit herabzusetzen. Auf einen Nenner gebracht: Baldrian bringt Ausgeglichenheit am Tag und Entspannung in der Nacht. Man spricht dabei von einer besänftigenden und beruhigenden Wirkung, die selbst in Stresszuständen zu neuer Energie führen kann.

Verwendung und Darreichung
Als natürliche Einschlafhilfe bei nervös bedingten Einschlafstörungen ist Baldrian das Mittel der Wahl. Vor allem „Kopfarbeiter“ tun sich häufig schwer, abends abzuschalten. Folge: Sie wälzen sich im Bett hin und her, Einschlafen Fehlanzeige. Der Saft aus frischen Baldrianwurzeln (z. B. von Schoenenberger, in Apotheken und Reformhäusern) hilft beim abendlichen und nächtlichen Entspannen. 

Dabei wirkt er keinesfalls sedativ, wie viele chemische Schlafmittel, wodurch der natürliche Schlafrhythmus erhalten bleibt. Das ist wichtig für einen gesunden und regenerierenden Schlaf. Deshalb ist Baldrian auch ein unverzichtbarer Bestandteil von arzneilich wirksamen Schlaf- und Nerventees. Daneben gibt es Baldrian auch in Form von Dragees oder Einschlaftropfen.

Sonstiges
Baldrian ist nicht nur ein ideales Beruhigungsmittel bei Stress, Nervosität oder Prüfungsangst. Er wirkt sich auch wohltuend und entspannend auf die Nervenbahnen unser inneren Organe aus und hilft so bei Magenkrämpfen, Frauenleiden und Beschwerden in den Wechseljahren. 


2. November 2012

Apotheken gaben mehr als 8 Mio. Betäubungsmittel ab


Die Apotheken gaben im Jahr 2011 rund 8,4 Mio. Betäubungsmittel an gesetzlich Versicherte ab, davon 6,3 Mio. Packungen starke Schmerzmittel. Das ermittelte das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut e.V. (DAPI) anhand der Auswertung von Rezeptdaten zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Privatrezepte wurden nicht erfasst. Verordnet wurden Betäubungsmittel vor allem von Allgemeinmedizinern (47 Prozent aller Packungen) und Internisten (17 Prozent). Verordnungen von starken Schmerzmitteln konzentrierten sich noch stärker auf diese beiden Arztgruppen: 56 Prozent wurden von Allgemeinmedizinern eingesetzt, 22 Prozent von Internisten.

Die Versorgung der Patienten mit Betäubungsmitteln ist gesetzlich genau geregelt. "Um die Patienten vor Missbrauch zu schützen, vertraut der Staat auf das besondere Verantwortungsbewusstsein des Apothekers", sagte Dr. Andreas Kiefer, Vorsitzender des DAPI. "Für die Apotheken sind die Lagerung und Abgabe mit großem Dokumentationsaufwand verbunden. Dafür erhält der Apotheker pro Abgabe eines Betäubungsmittels pauschal 0,26 Euro zusätzlich - das deckt oft nicht einmal die Gebühren, die die Großhändler von der Apotheke verlangen."

In den letzten Jahren nahm die Verordnung starker Schmerzmittel deutlich zu: Im Jahr 2005 gaben die Apotheken 4,2 Mio. Packungen an GKV-Versicherte ab, 2009 waren es 5,7 Mio. Packungen, 2011 mehr als 6,3 Mio. Packungen. Das entspricht einer Steigerung um 50 Prozent innerhalb von sechs Jahren.

Betäubungsmittel werden vom Arzt auf einem gelben Rezeptformular verordnet, das aus drei Durchschlägen besteht und nur acht Tage lang gültig ist. Patienten sollten diese Rezepte deshalb zügig einlösen.

Quelle: www.abda.de


29. Oktober 2012

Traditionelle Chinesische Medizin

Ernährung soll die Mitte stärken

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine jahrtausendealte Heilkunst. Sie beruht auf fünf Säulen: Akupunktur, manueller Therapie, pflanzlicher Arzneitherapie, der Bewegungsform Qigong und der Ernährung nach den fünf Elementen. Alle Therapiesäulen verfolgen das Ziel, das Qi im Körper - gemeint ist die Lebensenergie - in einen ausgeglichenen Zustand zu bringen. Gesteuert wird das Qi durch die fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

Die Ernährung nach den fünf Elementen strebt eine starke Mitte an. Gemeint sind starke Verdauungsorgane, denn sie gewinnen Lebensenergie aus der Nahrung. Jedes Element steht mit bestimmten Organen in Beziehung. Und auch Farben und Geschmacksrichtungen haben einen Bezug zu den Organen. Ein Leitsatz des TCM lautet deshalb: "Das Saure reist zur Leber, das Bittere zum Herzen, das Süße zu Milz und Magen, das Scharfe zur Lunge und das Salzige zur Niere." In jeder Mahlzeit sollen mindestens drei der fünf Geschmacksrichtungen enthalten sein. Gewürze spielen deshalb eine große Rolle.

Zu berücksichtigen ist auch die thermische Wirkung von Lebensmitteln. Damit ist nicht die Verzehrtemperatur gemeint, sondern die Wirkung eines Lebensmittels auf die Verdauungsorgane. Morgens, wenn die Lebenskraft gestärkt werden soll, gelten warme Suppen oder gekochte Getreidegerichte als ideal. Für die Abendmahlzeit, die beruhigend wirken und für einen guten Schlaf sorgen soll, werden vegetarische Gerichte mit gedünstetem Gemüse empfohlen. Der pflanzlich betonte Speiseplan enthält vor allem gegartes Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide, aber auch Fleisch und Fisch.

Die Ernährung nach der TCM ist als Dauerkost geeignet, wenn sie abwechslungsreich ist und regelmäßig Milchprodukte, frisches Obst und Rohkost enthält. Positiv ist der hohe Anteil an Gemüse und Hülsenfrüchten und die häufige Verwendung von Kräutern und Gewürzen.

Dr. Maike Groeneveld, www.aid.de

Weitere Informationen:


Quelle: www.aid.de


28. Oktober 2012

Seltene Krankheit


Seit Anfang 2011 helfen Ärzte am Zentrum für Seltene Erkrankungen (ZSEB) des Universitätsklinikums Bonn in einem interdisziplinären Ansatz Menschen, die an einer seltenen Erkrankung leiden. Die Zusammenfassung von Experten verschiedener Disziplinen im ZSEB hilft, Patienten eine „Ärzteodyssee“ von Spezialist zu Spezialist zu ersparen. Bislang stand das ZSEB neben ratsuchenden niedergelassenen Ärzten nur Patienten offen, bei denen eine seltene Erkrankung bereits diagnostiziert wurde. Mit Unterstützung durch die Medizinische Fakultät der Universität Bonn und das Universitätsklinikum erweitert das ZSEB sein Angebot und steht nun auch Patienten „ohne Diagnose“ unter bestimmten Bedingungen als Anlaufstelle zur Verfügung.

In Deutschland leben nach Schätzungen drei bis vier Millionen Menschen mit einer seltenen Erkrankung. Als „selten“ bezeichnet man Krankheiten, deren Häufigkeit unter 1 zu 2.000 bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt. Bei 80 Millionen Deutschen können also immerhin bis zu 40.000 Menschen von einem einzigen derartigen Leiden betroffen sein. Die Anzahl aller seltenen Krankheiten wird auf 5.000 bis 8.000 geschätzt.

Das Universitätsklinikum Bonn arbeitet bereits seit vielen Jahren an der Behandlung und Erforschung einer Reihe seltener Erkrankungen. Dazu zählen bestimmte Bewegungsstörungen, Epilepsien, Formen des erblichen Darmkrebses, seltene Augenerkrankungen oder angeborene Fehlbildungen des Darmes. Anfang 2011 wurde am Universitätsklinikum Bonn das erste Zentrum für Seltene Erkrankungen (ZSEB) in Nordrhein-Westfalen mit dem Ziel gegründet, Diagnose und Therapie solcher Krankheiten voranzutreiben.

Die meisten dieser Patienten haben einen langen Weg hinter sich“


Die Entscheidung, sich für Patienten ohne eine bereits erfolgte Diagnose zu öffnen, fiel wohlüberlegt: „Es besteht immer eine realistische Möglichkeit, dass bei Patienten ohne Diagnose eine seltene Erkrankung vorliegt, die nicht erkannt wurde, weil nur wenige Experten mit den jeweiligen Symptomen vertraut genug sind“, sagt Prof. Dr. Thomas Klockgether, der das ZSEB am Bonner Universitätsklinikum leitet. „Die meisten dieser Patienten haben bereits einen langen diagnostischen Weg hinter sich, der einen hohen Zeit- und Kostenaufwand verursacht hat. Es besteht dann die Gefahr, dass der „Fall“ mit der Diagnose ‚Somatisierungsstörung’ ad acta gelegt wird.“

Voraussetzung dafür, dass Patienten ohne Diagnose im ZSEB vorstellig werden können, ist ein ausführlicher schriftlicher Bericht des behandelnden Arztes. An der Prüfung dieser Berichte werden Studierende in höheren klinischen Semestern beteiligt sein. Sie sollen die bereits erfolgten Untersuchungen und die daraus resultierenden Befunde sichten, ordnen und ein Gesamtbild zusammenzusetzen, aus dem sich Vorschläge für weitere notwendige oder geeignete Untersuchungen ergeben. Über die abschließende Vorgehensweise entscheidet ein verantwortlicher Arzt, dem die Studenten ihre Ergebnisse vorlegen.

Erhärtet sich der Verdacht auf eine seltene Erkrankung, wird der Patient dann je nach Bedarf in einer interdisziplinären Fallkonferenz vorgestellt und diskutiert oder von einem Vertreter der geeigneten Disziplin untersucht. Auf Basis des Ergebnisses der Fallkonferenz werden dann die weitere ambulante oder stationäre Diagnostik und Behandlung geplant.

Patienten, die ohne entsprechende Diagnose vermuten, an einer seltenen Erkrankung zu leiden, können sich direkt an das ZSEB wenden. Weitere Informationen gibt es unter: http://ukb.uni-bonn.de/zseb

Ein Videostatement von Prof. Dr. Thomas Klockgether ist abrufbar unter https://www.uni-bonn.tv/podcasts/20121023__Statement_Klockgether.mp4/view




26. Oktober 2012

Hilfe bei schmerzenden, entzündlichen Gelenken


Für Donnerstag, 8. November, lädt die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn zu einem Patienten-Symposium ein. Betroffene und Interessierte können sich über die rheumatoide Arthritis, operative Therapiemöglichkeiten und die krankengymnastische Rehabilitation nach der Operation informieren. Ein weiteres Thema ist der Tagesablauf auf der Station. Im Anschluss an die Vorträge gibt es die Möglichkeit zum Gespräch mit dem Ärzteteam. Die kostenlose Veranstaltung findet von 18 bis 20 Uhr im Hörsaal des Biomedizinischen Zentrums (BMZ), Sigmund-Freud-Straße 25, auf dem Venusberg statt. Steife Gelenke frühmorgens nach dem Aufstehen können ein Warnhinweis auf eine rheumatoide Arthritis sein, eine der häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen. 

In Deutschland sind etwa 800.000 Menschen davon betroffen, davon fast dreimal so viele Frauen wie Männer. Es ist eine chronische Krankheit, die in Schüben verläuft. Die Ursache ist noch nicht endgültig geklärt. Vermutet wird eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem eine irrtümliche Abwehrreaktion gegen den eigenen Körper führt. Hier sind vor allem die Gelenke betroffen. Die Krankheit beginnt meist schleichend und führt zunehmend zu Gelenk- und Muskelschmerzen. Irgendwann ist dann auch die Beweglichkeit eingeschränkt. In schweren Fällen kommt es sogar zur Zerstörung von Gelenken bis hin zur völligen Gelenksteife.

Die Rheumatoide Arthritis ist bis heute nicht heilbar, kann aber mittlerweile sowohl medikamentös als auch operativ gut behandelt werden. Am Bonner Uni-Klinikum hat sich die Rheumachirurgie als Zweig der Orthopädie erfolgreich etabliert. Ist vorwiegend die Gelenkschleimhaut betroffen, wird diese sowie der entzündete Schleimbeutel operativ entfernt. Ist jedoch die Krankheit weiter fortgeschritten und der Gelenkkörper bereits zerstört, besteht die Option, eine Gelenkprothese einzusetzen. Ein weiterer Therapieansatz ist die so genannte Radiosynoviorthese, ein nuklearmedizinisches Verfahren zur Behandlung der entzündeten Gelenke. „Bei der modernen Rheumabehandlung kombinieren wir heute verschiedene Methoden miteinander. Dabei hängt der Erfolg davon ab, für jeden individuellen Krankheitsverlauf die passende Behandlungskombination zu finden“, sagt Prof. Dr. Dieter Wirtz, Direktor der Bonner Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie.



20. Oktober 2012

Schwarzer Hautkrebs - der Wolf im Schafspelz


Schwarzer Hautkrebs ist so gefährlich, weil er dazu neigt, früh Metastasen zu bilden. Neue Behandlungsansätze nutzen unter anderem die Fähigkeit der Immunabwehr, bösartige Zellen aufzuspüren und zu zerstören. Doch diese Strategie ist oft nur vorübergehend wirksam. Warum dies so ist, haben Forscherteams der Universität Bonn und der Universitätsmedizin Mainz herausgefunden: In der durch die Behandlung verursachten Entzündungsreaktion wandeln die Tumorzellen vorübergehend ihre äußere Gestalt und werden dadurch für Abwehrzellen unsichtbar. Diese Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die Verbesserung von Kombinationstherapien. Die Ergebnisse sind nun im renommierten Fachjournal „Nature“ online abrufbar. Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Deutschen Krebshilfe gefördert.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 15.000 Menschen an Schwarzem Hautkrebs, etwa 2.000 Menschen sterben pro Jahr daran. Das maligne Melanom ist die Hautkrankheit, die am häufigsten tödlich verläuft. Die besondere Bösartigkeit rührt daher, dass schon kleine Tumoren über die Lymph- und Blutbahnen streuen können. Seit mehreren Jahren untersucht die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Thomas Tüting, Leiter des Labors für Experimentelle Dermatologie am Universitätsklinikum Bonn und Leiter des Forschungsprojektes, die Wirkung einer zielgerichteten Immuntherapie mit tumorspezifischen Abwehrzellen.

Tumorzellen verhalten sich wie der Wolf im Schafspelz


In Versuchen mit Mäusen, die erblich bedingt an Schwarzem Hautkrebs erkranken, gelang es den Forschern, mit sogenannten zytotoxischen T-Zellen fortgeschrittene Tumore zu zerstören. „Aber sie kommen - genau wie bei Patienten in der Klinik - nach einiger Zeit wieder“, erläutern Dr. Jennifer Landsberg und Dr. Judith Kohlmeyer vom Labor für Experimentelle Dermatologie am Universitätsklinikum Bonn und Erstautorinnen der Studie. Diese Therapieform löst eine Entzündung aus. Nun fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Melanomzellen genau durch diese begleitende entzündliche Reaktion ihre äußere Gestalt wandeln. „Sie verhalten sich wie Wölfe im Schafspelz und entgehen dadurch der Erkennung und Zerstörung durch Abwehrzellen“, sagt Marcel Renn, ebenfalls Erstautor der Studie.

Das Immunsystem kann Tumore bekämpfen – aber auch schützen


Auf der Suche nach den zugrunde liegenden Mechanismen brachten die Forscher feingewebliche Untersuchungen der Tumoren auf die richtige Spur: Therapieresistente Melanome zeigten eine deutlich stärkere Entzündungsreaktion mit vielen Fresszellen des Immunsystems, den sogenannten Makrophagen. Ein hauptsächlich von diesen Immunzellen ausgeschütteter Botenstoff - der Tumornekrosefaktor-alpha - konnte den Gestaltwandel der Melanomzellen direkt in der Kulturschale im Labor herbeiführen. Die so behandelten Zellen wurden in der Folge von den Abwehrzellen kaum noch erkannt. „Das Immunsystem ist eben ein zweischneidiges Schwert“, erklärt Prof. Tüting. „Es kann den Tumor bekämpfen – aber auch schützen.“ Solche Veränderungen im Tumorgewebe sind wahrscheinlich von großer Bedeutung für die Ausbildung einer Therapieresistenz. „Nach neueren Erkenntnissen ist davon auch die Behandlung mit Hemmstoffen betroffen, die die Signalübertragung in Tumorzellen unterbinden“, führt Prof. Tüting aus.

Melanomzellen verlieren ihre typischen Eigenschaften


Molekulargenetische Untersuchungen ergaben, dass Melanomzellen aus therapieresistenten Tumoren die für Pigmentzellen typischen Merkmale verloren hatten. Stattdessen zeigten sie Züge von Bindegewebszellen. „Diesen Gestaltwandel können Melanomzellen möglicherweise deshalb so leicht vollziehen, weil sie in der embryonalen Entwicklung von Zellen in der Neuralleiste abstammen, die auch Bindegewebs- und Nervenzellen ausbilden können“, sagt Prof. Dr. Michael Hölzel, Mitautor aus dem Institut für klinische Pharmakologie und klinische Chemie am Universitätsklinikum Bonn.

Ergebnisse lassen sich auch auf den Menschen übertragen


Die zunächst in einem Tiermodell in Bonn gewonnenen Erkenntnisse wurden an der Universitätsmedizin Mainz  an menschlichen Melanomzellen mit dazugehörigen Abwehrzellen unterschiedlicher Antigenspezifität in der Kulturschale nachvollzogen. Die Melanomzellen reagierten auf den Botenstoff Tumornekrosefaktor-alpha ebenfalls mit einem Verlust der Pigmentzell-Eigenschaften und konnten dann von Pigmentzell-spezifischen Abwehrzellen nicht mehr erkannt werden. „Die Erkennung durch andere Abwehrzellen, die spezifische genetische Veränderungen in den Melanomzellen aufspüren können, war hierdurch jedoch nicht beeinträchtigt. Dies bestätigt die Relevanz solcher Antigene, die wir in Mainz in verschiedenen Patientenmodellen nachgewiesen haben“, betont Prof. Dr. Thomas Wölfel, Leiter der an der Studie beteiligten Arbeitsgruppe an der III. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mainz und ebenfalls Co-Autor der Studie.

Wichtige Erkenntnisse für neue Behandlungsstrategien


Sobald jedoch der Tumornekrosefaktor-alpha nicht mehr auf die Melanomzellen des Menschen und der Maus einwirkte, gewannen sie ihre Pigmentzell-Eigenschaften wieder zurück. Dann konnten sie auch wieder von allen Immunabwehrzellen erkannt und bekämpft werden. Aus all diesen Erkenntnissen ergeben sich wichtige Hinweise für neue Behandlungsstrategien. So sollten in Zukunft Abwehrzellen gegen Antigene unterschiedlicher Kategorien und Spezifität zum Einsatz kommen und gleichzeitig die von den Tumorzellen ausgenutzte Entzündung therapeutisch gebremst werden. „Unser experimentelles Modellsystem wird uns dabei helfen, möglichst rasch optimal wirksame Kombinationstherapien zu entwickeln“, sagt Prof. Tüting. „Bis zur klinischen Anwendung derartiger Strategie werden jedoch noch einige Jahre  vergehen.“

Publikation: Melanomas resist T-cell therapy through inflammation-induced reversible dedifferentiation, Nature, DOI: 10.1038/nature11538




19. Oktober 2012

Impfen: Was Erwachsene, Kinder und Reisende brauchen


Aus Sicht der Stiftung Warentest ist es wenig sinnvoll, ältere Menschen generell gegen Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose zu impfen. Die Wirksamkeit der Grippeimpfung nimmt mit höherem Alter nachweislich ab. Und wie wirksam die Pneumokokken-Impfung sowie die – derzeit nicht verfügbare – Impfung gegen Gürtelrose ist, ist bei der Altersgruppe nicht gut belegt. Das berichtet die Stiftung Warentest in einem Themenpaket Impfen auf www.test.de
.
Drei Impfungen sind nach Einschätzung der Stiftung Warentest dagegen für jeden Erwachsenen sinnvoll: gegen Tetanus und Diphtherie, zwei lebensbedrohliche Krankheiten, sowie gegen Keuchhusten. Letzterer tritt derzeit vermehrt bei Erwachsenen auf; frühere Erkrankungen und Impfungen schützen nicht dauerhaft. Manche Erwachsene brauchen außerdem Nachholimpfungen gegen Polio, Masern, Mumps und Röteln – wenn sie keinen vollständigen Schutz aus der Kindheit haben.

Viele Erwachsenen haben nicht alle Impfungen, die die zuständige Ständige Impfkommission offiziell empfiehlt und die Krankenkassen erstatten. So sind nur 72 Prozent der Erwachsenen ausreichend gegen Tetanus geschützt.

Für die Einschätzungen der Stiftung Warentest hat ein Expertenkreis Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Impfungen und den zugehörigen Krankheiten beurteilt. Das 36-seitige Themenpaket Impfen unter www.test.de/impfen enthält neben Tipps für Erwachsene Einschätzungen zu den wichtigsten Kinder- und Reiseimpfungen, einen Impfkalender für Kinder und Erwachsene, Antworten auf wichtige Leserfragen und die Ergebnisse einer Online-Umfrage mit mehr als 10 000 Teilnehmern.


Quelle: www.test.de


17. Oktober 2012

Bettnässen: Neue Wege zu einer trockenen Nacht


Etwa jedes zehnte Kind im Alter von sieben und zehn Jahren nässt wiederholt nächtlich ein; tagsüber etwa jedes Fünfte. Meistens fehlt den Betroffenen die Kontrolle über ihre Blase, die jedoch von ihnen erlernt werden kann. Um die Diagnostik und Behandlung von kindlicher Harninkontinenz zu vereinheitlichen, kindgerecht und möglichst ohne belastende Maßnahmen zu gestalten, haben sich Fachleute aus Medizin, Psychologie, Pädagogik und Physiotherapie zusammengetan und ein abgestuftes Behandlungskonzept und ein Schulungsprogramm entwickelt, das sich an betroffene Kinder und deren Familien richtet. Am 26. und 27. Oktober treffen sie sich auf der 2. Gemeinsamen Jahrestagung der Konsensusgruppe Kontinenzschulung im Kindes- und Jugendalter (KgKS) und der AG Urotherapie in Bonn.

Bettnässen ist ein Tabuthema und wird häufig auf psychische Faktoren geschoben. Doch der Erwerb der Blasenkontrolle ist ein hochkomplexer und sehr störungsanfälliger Reifungsprozess. Bis zur Vollendung des fünften Lebensjahres ist Bettnässen in der Regel altersgemäß. „Der Zeitpunkt, zu dem es krankhaft wird, ist für jedes Kind individuell. Neben medizinischen Kriterien spielen vor allem Entwicklungsaspekte und die Lebenssituation des Kindes eine Rolle“, sagt Thomas Engels, Urotherapeut und Pflegeleiter an der Urologischen Poliklinik des Universitätsklinikum Bonn.

Als Mitglied der KgKS sieht er die Harninkontinenz im Kindes- und Jugendalter als sehr vielschichtig an. So ist sie beispielsweise nicht nur Folge einer gestörten Blasenfunktion oder Hormonstörungen. Vielmehr basiert sie auf einer komplexen Wechselwirkung von körperlichen, seelischen und sozialen Faktoren. Dabei fällt auch die gesellschaftliche und familiäre Wertung des Einnässens ins Gewicht. „Dies alles muss bei der Diagnostik und Therapie betroffener Kinder und Jugendlicher berücksichtigt werden“, sagt Engels.


Ein Gefühl für den Körper entwickeln


Die neue Kontinenzschulung basiert auf der so genannten Urotherapie, bei der nur verhaltenstherapeutische, systemische und lösungsorientierte Elemente zum Einsatz kommen. Die Betroffenen lernen zunächst spielerisch ihren Körper besser kennen und dessen Signale besser wahrzunehmen. Zudem wird das Trink- sowie das Toilettenverhalten besprochen und die Umsetzung in den normalen Tagesablauf geplant. „Das Kind lernt seine Blase so zu trainieren, dass sie ihm automatisch gehorcht“, sagt Engels. „Dieser Prozess verlangt viel Ausdauer und Willenskraft von den Kindern. Sie brauchen positive Unterstützung seitens der Eltern.“

Sind organische Ursachen ausgeschlossen können Kinder und Jugendliche mit einer Harninkontinenz nach einer individuellen Prüfung an einer Kontinenzschulung teilnehmen. Das Schulungsteam ist interdisziplinär zusammengesetzt: Arzt, Psychologe oder Pädagoge sowie Medizinische Assistenzberufe wie Kinderkrankenpfleger, Physiotherapeut, Ergotherapeut oder Urotherapeut. Mindestens ein Mitglied des Schulungsteams muss ein Trainerzertifikat der KgKS besitzen.

Weitere Informationen gibt es unter www.kontinenzschulung.de und www.urotherapie.de




15. Oktober 2012

Tipps: Solarium


Die UV-Strahlung in Solarien ist laut Weltgesundheitsorganisation potentiell ebenso krebserregend wie Asbest. Das Risiko, am besonders aggressiven „schwarzen“ Hautkrebs zu erkranken, verdoppelt sich, wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig genutzt werden. „Die Deutsche Krebshilfe rät daher grundsätzlich davon ab, Solarien zu nutzen“, erklärt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Menschen, die dennoch nicht auf künstliche Bräune verzichten wollen, bietet der neue Ratgeber eine Checkliste der gesetzlichen Mindestanforderungen, die in Solarien erfüllt sein müssen.“ Die Broschüre „Ins rechte Licht gerückt. Krebsrisikofaktor Solarium“ ist kostenlos bei der Deutschen Krebshilfe erhältlich und steht im Volltext unter www.krebshilfe.de
.
 „Bei kaum einer anderen Krebsart ist ein einzelner Risikofaktor so eindeutig für die Krebsentstehung verantwortlich und gleichzeitig so leicht vermeidbar wie beim Hautkrebs: UV-Strahlen, insbesondere künstliche aus Solarien“, betont Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) und Mitglied im Fachausschuss 'Krebs-Früherkennung' der Deutschen Krebshilfe. Etwa 224.000 Menschen erkranken bundesweit jährlich neu an einem Tumor der Haut, 26.000 davon am besonders gefährlichen malignen Melanom, dem sogenannten „schwarzen“ Hautkrebs. Zunehmend wird dieser auch bei jungen Erwachsenen, insbesondere bei Frauen, diagnostiziert. Experten machen häufige Solarienbesuche für diesen Trend verantwortlich.

Der Präventionsratgeber informiert ausführlich über die Vor- und Nachteile natürlicher und künstlicher UV-Strahlen, er gibt Tipps, den eigenen Hauttyp zu bestimmen und bietet denjenigen, die nicht auf künstliche Bräune verzichten wollen, einen Solariencheck an. Dieser listet Mindestanforderungen an das Sonnenstudio, das Personal und das Bräunungsgerät auf, die unbedingt erfüllt sein sollten. Die Checkliste basiert auf der seit Anfang 2012 geltenden Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung (UVSV).
Den Präventionsratgeber „Ins rechte Licht gerückt. Krebsrisikofaktor Solarium“ gibt es kostenfrei bei: Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, Telefonnummer 02 28/ 7 29 90-0. Außerdem kann die Broschüre im Internet unter  www.krebshilfe.de bestellt und hier heruntergeladen werden.


2. September 2012

Schmerzfreie Herz-Diagnostik: Mit Kardio-CT dem Infarkt auf der Spur


Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die Todesursache Nummer eins. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben daran 2010 mehr als 350.000 Menschen, allein 60.000 an einem Herzinfarkt. Um bei Herzproblemen einer möglichen Erkrankung der Herzkranzgefäße auf die Spur zu kommen, wird dem Patienten normalerweise ein Katheter in eine Arterie in der Leiste oder am Handgelenk eingeführt und bis zum Herzen vorgeschoben.

Foto: Techniker Krankenkasse
"Diese Methode ist für den Patienten unangenehm und löst oftmals Ängste vor der Untersuchung aus", sagt Dr. Thomas Ruprecht, Arzt bei der Techniker Krankenkasse (TK). "Das wollen wir unseren Patienten ersparen. Deswegen gehen wir in diesem Bereich neue, innovative Wege." Dazu hat die TK mit dem "Grönemeyer Institut für Mikrotherapie" in Bochum in Zusammenarbeit mit dem "Diagnostik-Zentrum Ruhr" sowie dem Diagnostikum in Berlin eine neue Leistung für ihre Versicherten vereinbart. Sie können jetzt ihr Herz mit einem nicht-invasiven Eingriff per modernster Kardio-Computertomografie und Kardio-Magnetresonanztomografie untersuchen lassen.

"Die Untersuchung in dem strahlungsarmen Gerät dauert nur 15 Minuten und ist absolut schmerzlos", erklärt Ruprecht. In 0,3 Sekunden macht der Computertomograf eine dreidimensionale Aufnahme des Herzens. Eine spezielle Software ermöglicht es, die Bilder aus allen Winkeln dreidimensional zu betrachten und so eine Schädigung der Herzkranzgefäße zu er-kennen. "Das ist weltweit nicht nur die modernste Methode, um koronare Herzerkrankungen zu erkennen, sondern für die Patienten auch die schonendste", so Ruprecht.

Die TK ist die erste Krankenkasse, die die Kosten für diese neue ambulante Untersuchungsmethode übernimmt.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der TK im Internet unter www.tk.de


Quelle: www.tk.de
Stand: 08/12


1. September 2012

Lungenkrankheiten: So vermeidet der "Health Buddy" Klinikaufenthalte


Er misst, er informiert und er schult: Wenn der "Health Buddy" ins Haus kommt, wacht er zu Hause täglich über chronisch kranke Patienten und soll dabei helfen, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Seit diesem Sommer setzt die Techniker Krankenkasse (TK) bei Schwerkranken auf das von Bosch entwickelte kleine Telemedizin-Gerät mit seinem leicht ablesbaren Display und den übersichtlichen vier blauen Tasten. Leichte Bedienbarkeit ist hier alles: Chronisch kranke Lungenpatienten messen und senden damit täglich die wichtigsten Daten wie die Sauerstoffsättigung des Blutes an ein telemedizinisches Zentrum. Die erste Bilanz ist positiv – für die Patienten wie auch die Krankenkasse.

„Haben Sie letzte Nacht aufgrund von Atemnot schlecht geschlafen? Leiden Sie heute unter Husten? Wie geht es Ihnen seit der letzten Sitzung?" Wenn Patienten den "Health Buddy" einschalten, stellt das Gerät viele Fragen und fordert unter anderem dazu auf, den Sauerstoffgehalt im Blut zu messen. Alle in einer Sitzung gesammelten Daten gehen an das Telemedizinische Zentrum in Stuttgart zur Analyse durch den zuständigen Facharzt. Lassen die Werte vermuten, dass es dem Patienten schlecht geht oder bald schlechter gehen könnte, berät das Zentrum den Patienten am Telefon oder ruft im Notfall Hilfe.

"Fachärzte schauen sich den Verlauf der Werte an und können auf diese Weise eine plötzliche Verschlimmerung vorhersagen", sagt Thomas Heilmann, Leiter des COPD-Projektes bei der TK. "COPD steht für chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen", erläutert der Experte und weist auf die stark steigenden Patientenzahlen hin: "Derzeit ist jeder vierte Todesfall auf diese Lungenkrankheit zurückzuführen. Und allein in Deutschland sterben jeden Tag 80 Patienten an den Folgen", sagt Heilmann. Derzeit sollen hier-zulande rund sieben Millionen Menschen betroffen sein, während davon aber nur etwa 1,5 Millionen diagnostiziert sind, schätzen Experten.

Vor diesem Hintergrund hat die TK in Kooperation mit Bosch Healthcare ein Projekt speziell für Patienten mit schweren Atembeschwerden initiiert. Das Ziel: die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern und COPD-Patienten vermeidbare Krankenhausaufenthalte zu ersparen. Los geht es mit 300 schwerkranken Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet.

Aufgenommen wird, wer ein hohes Risiko trägt, eine plötzliche Zustandsverschlechterung zu erleiden und damit Gefahr läuft, in naher Zukunft eine Akutbehandlung im Krankenhaus zu benötigen. Solche Patienten bekommen den "Health Buddy" nach Hause und sind damit über die Telefonleitung mit dem Telemedizinischen Zentrum verbunden.

Zwei Jahre wird jetzt geforscht und die "Health Buddy"-Gruppe mit einer Kontrollgruppe ohne telemedizinischen Helfer verglichen. Wenn sich die guten Anfangserfahrungen wissenschaftlich belegen lassen, will die TK diesen Zweig des Tele-Monitorings weiter ausbauen.

Der Start verlief vielversprechend: "Die Akzeptanz und Teilnahmebereitschaft der Versicherten ist extrem hoch und übertrifft derzeit alle Erwartungen", so Heilmann. Auch die Rückmeldungen der ersten eingeschriebenen Patienten seien durchweg positiv.


Quelle: www.tk.de
Stand: 08/12