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20. März 2013

Gentechnisch veränderte Baumwolle: Manche Schädlinge profitieren vom Anbau


Einige Schädlinge wie Blattläuse können sich auf gentechnisch veränderter Baumwolle besser vermehren als auf konventionellen Pflanzen. Das lassen die Ergebnisse einer Studie des Schweizerischen Nationalfonds SNF vermuten, für die Versuche im Gewächshaus und im Freiland durchgeführt wurden. Gentechnisch veränderte Baumwolle wächst inzwischen weltweit auf über 80 Prozent der Felder. Bt-Baumwolle enthält ein Gen des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt). Dadurch bildet sie einen Wirkstoff, der für bestimmte Schmetterlingsraupen, die zu den wichtigsten Schädlingen im Baumwollanbau gehören, giftig ist. Wenn die Landwirte Bt-Baumwolle anpflanzen, müssen sie deutlich weniger Pflanzenschutzmittel verwenden.

Baumwollpflanzen verfügen von Natur aus über ein raffiniertes Verteidigungssystem gegen Schädlinge. Wenn die Blätter von Schmetterlingsraupen befallen sind, werden bestimmte Abwehrsubstanzen, die Terpenoide, gebildet. Diese Stoffe vertreiben nicht nur die Raupen, sondern auch andere pflanzenfressende Insekten wie Wanzen und Blattläuse.

In ihren Versuchen konnten die Schweizer Forscher zeigen, dass das Bt-Eiweiß die Schmetterlingsraupen abtötet, bevor dieses Verteidigungssystem in Gang kommt. Dadurch sind die gentechnisch veränderten Pflanzen anfälliger für einen Befall mit Nichtzielorganismen wie Blattläuse, die für das Gift unempfindlich sind. In den Experimenten konnten sich Blattläuse (Aphis gossypii) auf gentechnisch veränderter Baumwolle besser vermehren als auf konventionellen Pflanzen, die zuvor - ausgelöst durch einen Befall mit Schmetterlingsraupen - Terpenoide gebildet hatten. Dieser Effekt zeigte sich vor allem unter geschützten Bedingungen im Gewächshaus, war aber auch auf dem Feld nachweisbar. Vermutlich wird die Blattlauspopulation im Freiland von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst, erklären die Forscher.

Auf dem Baumwollfeld werden Blattläuse in der Regel durch ihre natürlichen Feinde dezimiert, sodass keine großen landwirtschaftlichen Schäden zu befürchten sind. Wanzen hingegen bereiten Baumwollbauern in vielen Anbauregionen große Probleme. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob auch diese und andere pflanzenfressenden Insekten vom Anbau der Bt-Baumwolle profitieren.

Heike Kreutz, www.aid.de

19. November 2012

Faszinierende Welt der Fossilien


Das Skelett von Plateosaurus aus Frick
ausgestellt im Sauriermuseum Frick im Kanton Aargau (Schweiz).
(c) Foto: Georg Oleschinski/Uni Bonn


200 Jahre Forschungstradition

Einen Einblick in die faszinierende Welt der Fossilien gibt der Festband „Paläontologie“, der anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Paläontologischen Gesellschaft erscheint. Unter den maßgeblichen Herausgebern sind renommierte Wissenschaftler der Universität Bonn. 72 Autoren verschiedener Institutionen schöpfen aus mehr als 200 Jahren Forschungstradition und bieten zugleich ein lebendiges Bild aktueller paläontologischer Forschung.

Prof. Dr. Otto Jaekel (1863-1929) rief im Mai 1912 zur Gründung der Paläontologischen Gesellschaft auf. Der Initiative des Gelehrten der Universität Greifswald folgten 130 Personen aus dem In- und Ausland, darunter auch zwei Frauen. Prof. Jaekel kämpfte um die Anerkennung der Paläontologie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin.

Linker Unterkieferast von Haldanodon exspectatus:
Die abgeschliffenen Zähne zeigen, dass das Tier wie ein Maulwurf
unterirdisch auf Beutefang ging. (c) Foto: Georg Oleschinski/Uni Bonn
Mit Erfolg: In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Paläontologie zu einer modernen Naturwissenschaft entwickelt, die mit neuesten Methoden - etwa der Mikro-Computertomographie und dreidimensionalen Bildanalysen - zu einem Erkenntnisschub geführt hat. Als moderne Naturwissenschaft im Spannungsfeld zwischen Geo- und Biowissenschaften leistet die Paläontologie heute wichtige Beiträge zur Lösung drängender Probleme wie Klimawandel und Verknappung fossiler Energieträger.

100-jährigen Bestehens der Paläontologischen Gesellschaft

Ihr 100-jähriges Bestehen nimmt die Paläontologische Gesellschaft nun zum Anlass, einen üppig gestalteten Festband herauszugeben. Das Buch wendet sich an alle naturwissenschaftlich Interessierten, die sich für die Schönheit von Fossilien begeistern. In Bild und Text werden jeweils auf einer Doppelseite herausragende Funde vorgestellt, darunter etwa das größte Dinosaurierskelett der Welt, der Brachiosaurus brancai im Lichthof des Museums für Naturkunde in Berlin. In den Beschreibungen stehen neben ausführlichen Informationen zum Exponat auch die Geschichten im Mittelpunkt, die sich hinter dem jeweiligen Fossil verbergen. So beleuchtet Prof. Dr. Thomas Martin, Paläontologe an der Universität Bonn, ein ungewöhnliches Säugetier aus der Jurazeit, das vor 155 Millionen Jahren wie ein Maulwurf lebte, ohne mit den Maulwürfen näher verwandt zu sein – also eine Art fossiles „Déjà-vu“.

Prof. Dr. Wighart von Koenigswald, ebenfalls Paläontologe an der Universität Bonn, beschreibt die Hintergründe zu den Urpferdchen von Messel, die es sogar als Motiv auf eine Briefmarke schafften. Prof. Dr. Martin Sander, Wissenschaftler an der Bonner Alma mater, geht auf eine Detektivgeschichte ein: Der scherzhaft wegen seiner Länge als „schwäbischer Lindwurm“ bezeichnete Plateosaurus engelhardti wurde bei Trossingen auf der schwäbischen Alb gefunden. Die Fossilien lagerten in auffallend ähnlicher Bauchlage. Die Wissenschaftler deuten nach ihrer detektivischen Spurensuche diesen Befund: Die Plateosaurier sind offensichtlich im Schlamm stecken geblieben und dort verendet.

Baltisches Bernstein: Den Baltischen Bernstein und seine Einschlüsse stellen Jonina Strelow und Prof. Dr. Jes Rust von der Universität Bonn vor. Beim Bernstein handelt es sich um ein fossiles Harz, das sich in Sedimente eingebettet unter Luftabschluss verfestigt hat. Die dreidimensionalen und in großer Detailfülle überlieferten Funde geben äußerst ästhetische Einblicke in die Lebewelt vor 40 bis 50 Millionen Jahren. Wie ein modernes Kunstwerk wirkt eine Aufnahme fossiler Pollenkörner, die Prof. Dr. Thomas Litt vom Bonner Steinmann-Institut beschreibt. Der mikroskopische kleine Blütenstaub hat eine widerstandsfähige Außenhülle und überdauert auf dem Grund von Seen und Mooren mühelos Jahrtausende. An ihm lässt sich die Vegetations- und Klimageschichte der Vergangenheit ablesen.
Mücke im Baltischen Bernstein
aufgenommen mit einem konfokalen Laser-Scanning-Mikroskop.
(c) Foto: Jes Rust/Uni Bonn

Museen und Sammlungen

Die vorgestellten Fossilien stammen aus 30 Museen und Sammlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 72 Autoren haben mit ihrem Fachwissen zum Gelingen des Buches beigetragen. Die Bilder bestechen durch eine eigentümliche Ästhetik, darunter etwa Zeugnisse von Millionen Jahre alten Bakterienkulturen.

Publikation: Thomas Martin, Wighart von Koenigswald, Gudrun Radtke, Jes Rust (Herausgeber): Paläontologie – 100 Jahre Paläontologische Gesellschaft, Verlag Dr. Friedrich Pfeil München, 192 Seiten, 134 Abbildungen, 24,90 Euro, ISBN 978-3-89937-152-9





15. November 2012

Oxytocin hält Flirtende auf Distanz

Forscher testeten das Bindungshormon an Männern

Bei einem Flirt kommen sich Frau und Mann nahe. Die „soziale Distanz“ sorgt aber dafür, dass sie dabei einen gewissen räumlichen Abstand einhalten. Forscher unter Federführung der Universität Bonn untersuchten, ob sich diese Distanz durch das Bindungshormon Oxytocin verringern lässt. Das genaue Gegenteil war der Fall: In Partnerschaften gebundene Männer hielten unter Oxytocin-Einfluss sogar eine größere Distanz zu attraktiven Partnerinnen ein als die Kontrollgruppe. Die Studie ist nun im renommierten „Journal of Neuroscience“ erschienen.

Bei der Annäherung von Menschen gelten unbewusste Regeln. Sie gehen aufeinander zu und verbleiben dann in einem ganz bestimmten Abstand im Gespräch. Wissenschaftler sprechen von „sozialer Distanz“. „Wird eine gewisse Distanz zwischen den Gesprächspartnern unterschritten, wird dies als unangenehm empfunden“, sagt Privatdozent Dr. Dr. med. René Hurlemann, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Bonner Universitätsklinikums. Eine besonders sensible Angelegenheit ist die soziale Distanz etwa bei einem Flirt zwischen Frau und Mann. „Die Magie der ersten Begegnung entscheidet häufig über das, was daraus entsteht“, sagt Dr. Hurlemann.

Untersuchte die Wirkung von Oxytocin auf die soziale Distanz
 zwischen Männern und Frauen: Privatdozent Dr. Dr. med. René Hurlemann.
(c) Foto: Katharina Wislsperger/UKB

Die Oxytocin-Ausschüttung ist beim Sex und bei der Entbindung groß


Sein Team untersuchte zusammen mit Kollegen der Ruhr Universität Bochum und der Universität Chengdu, welchen Einfluss das Neuropeptid Oxytocin auf die soziale Distanz zwischen Frauen und Männern hat. „Der Botenstoff ist als Bindungshormon bekannt“, berichtet Prof. Dr. Wolfgang Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Bonner Universitätsklinikums, der auch für das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) forscht. So ist bekannt, dass die Oxytocin-Ausschüttung im Gehirn etwa beim Sex oder auch bei Eltern nach der Entbindung ihres Kindes besonders groß ist. „Das Hormon sorgt mit dafür, dass wir uns in eine starke soziale Bindung begeben“, ergänzt Prof. Maier.

Forscher verabreichten das Hormon in Form von Nasenspray


Die Forscher verabreichten insgesamt 57 erwachsenen männlichen Probanden entweder Oxytocin oder Placebo in Form von Nasenspray. Eine attraktive Wissenschaftlerin trat in dem Versuch als Experimentatorin auf. Die Probanden gingen auf sie zu und blieben im Schnitt in einem Abstand von etwa 60 Zentimeter vor ihr stehen. „Wir wollten herausfinden, ob sich die soziale Distanz durch das Hormon beeinflussen lässt“, berichten die beiden Erstautoren Dirk Scheele und Dr. Nadine Striepens. Die Wissenschaftler gingen von der These aus, dass Oxytocin bei den Probanden zu einer Verringerung der sozialen Distanz führt, weil es im Ruf steht, die sozialen Wechselbeziehungen zu fördern. Das genaue Gegenteil war jedoch überraschenderweise der Fall: Die männlichen Testpersonen, die zuvor Oxytocin mit dem Nasenspray verabreicht bekommen hatten und in einer Beziehung mit einer Frau lebten, hielten eine etwa zehn bis 15 Zentimeter größere Distanz zu der attraktiven Wissenschaftlerin als Probanden, die als Singles lebten oder die aus der unbehandelten Kontrollgruppe stammten.

Oxytocin wirkt als eine Art „Treuehormon“


„Das Oxytocin wirkte hierbei als eine Art `Treuehormon´“, fasst Dr. Hurlemann das Ergebnis zusammen. Männer mit Partnerinnen gingen auf Distanz. Single-Männer und unbehandelte Kontrollpersonen unterlagen hingegen stärker der sexuellen Anziehungskraft der Experimentatorin. In einem weiteren Experiment ergaben sich ganz ähnliche Befunde. Die Forscher zeigten den Probanden Fotos von attraktiven Frauen. Die Testpersonen hatten die Möglichkeit, in die Bilder hinein zu zoomen – sich also räumlich stärker anzunähern. Nach der Gabe von Oxytocin taten dies Männer in einer Paarbeziehung langsamer als Singles.

Das Hormon steigert die Überlebenschancen des Nachwuchses


„Wir haben dadurch wichtige Erkenntnisse darüber bekommen, wie Männer ticken“, fasst der Oberarzt zusammen. Das Oxytocin spiele eine Schlüsselrolle bei der Frage, wie es die Natur eingerichtet hat, dass sich beide Eltern voll auf den schutzbedürftigen Nachwuchs konzentrieren. „Das Bindungshormon hält Männer davon ab, sich nach der Zeugung sofort einer anderen Partnerin zuzuwenden, und steigerte dadurch in vorzivilisatorischen Zeiten die Überlebenschancen des Nachwuchses.“



Publikation: Oxytocin Modulates Social Distance between Males and Females, The Journal of Neuroscience, DOI:10.1523/JNEUROSCI.2755-12.2012




12. November 2012

Die Deutschen sind ehrlicher als vermutet

In einem Verhaltensexperiment logen Probanden aus Deutschland weit weniger zu ihrem Vorteil, als Wissenschaftler zuvor vermutet hatten – nämlich gar nicht. Das haben Forscher der Universitäten Bonn und Oxford um Prof. Dr. Armin Falk herausgefunden. Beim Münzwurf konnten die Teilnehmer durch Schummeln leicht Geld verdienen, doch die Testpersonen blieben ehrlich. Die Studie ist nun in der „Discussion Paper Series“ des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) erschienen.

Es gibt viele Situationen im Leben, in denen sich Schummeln anbietet, um einen Vorteil zu erlangen – etwa, wenn man bei der Steuererklärung ein niedrigeres Einkommen angibt als zutrifft oder wenn man dem Chef vorgaukelt, das ganze Wochenende durchgearbeitet zu haben. „In allen Weltreligionen und Moralsystemen hat Ehrlichkeit einen sehr hohen Stellenwert“, sagt Prof. Dr. Armin Falk, Direktor der Abteilung für empirische Wirtschaftsforschung der Universität Bonn und Programmdirektor am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA). So verbietet etwa im Christentum das „Achte Gebot“ zu lügen. „Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass Menschen zur Lüge neigen, wenn es sich lohnt“, fügt Prof. Falk hinzu.

Beim Münzwurf gab es für die „Zahl“ 15 Euro


Wie weit das Lügen in Deutschland tatsächlich verbreitet ist, untersuchten die Wissenschaftler mit einem einfachen Experiment. Das Sozial- und Marktforschungsinstitut infas in Bonn befragte 700 zufällig ausgewählte Personen in Deutschland am Telefon. Die Aufgabe: Die Probanden sollten eine Münze werfen. Wer angab, „Zahl“ geworfen zu haben, bekam 15 Euro. Wer „Kopf“ warf, bekam nichts. „Damit war die Verführung schon sehr groß, in der Umfrage einfach `Zahl´ anzugeben, da niemand am Telefon nachprüfen konnte, ob dies tatsächlich zutraf“, berichtet Erstautor Dr. Johannes Abeler von der Universität Oxford, der zusammen mit Prof. Falk das Experiment durchführte.

Die Statistik kann Schummeleien enttarnen


Die Forscher konnten jedoch indirekt feststellen, wie viele der Testpersonen gelogen hatten. „Die Chance, Kopf oder Zahl zu werfen, ist genau gleich groß – 50 : 50“, erläutert Prof. Falks Mitarbeiterin und Mitautorin Anke Becker. Das Ergebnis war überraschend: Nur 44,4 Prozent der Befragten gaben an, „Zahl“ geworfen und damit Anrecht auf die 15 Euro zu haben. 55,6 Prozent sagten „Kopf“ und gingen damit leer aus. Die Wissenschaftler boten in einer weiteren Untersuchung die Möglichkeit, nur ein bisschen zu schummeln: Die Probanden sollten insgesamt vier Mal eine Münze werfen, wodurch nur „teilweise“ gelogen werden konnte. Doch auch diesmal gaben weniger als 50 Prozent der Befragten an, eine Zahl geworfen zu haben und damit einen Gewinn von diesmal fünf Euro zu bekommen.

Beim Lügen kommt es offenbar auf die Situation an


„Damit beriefen sich sogar deutlich weniger Probanden darauf, Zahl geworfen zu haben als statistisch vorgegeben“, sagt Dr. Abeler, der an der Universität Bonn promoviert hat. Vorangegangene Studien in Laborumgebungen hatten hingegen gezeigt, dass etwa 75 Prozent der Befragten angaben, „Zahl“ geworfen zu haben. „Offenbar ist Lügen situationsbedingt“, schließt Prof. Falk aus den Ergebnissen. Die Probanden wurden zuhause in ihrer privaten Umgebung befragt. „In diesem geschützten Raum soll wahrscheinlich das Selbstbild der `ehrlichen Haut´ nicht unnütz zerstört werden.“ Im geschäftlichen Bereich könne dies jedoch ganz anders aussehen, ergänzt der Ökonom: „Wer zum Beispiel im Beruf lügt, kann sich unter Umständen damit trösten, dass er das für seinen Arbeitgeber macht.“

Studie hat Konsequenzen für Wissenschaft und Geschäftsleben    


Die Ergebnisse haben aus Sicht der Forscher absehbar weit reichende Konsequenzen für Wissenschaft und Geschäftsleben. „In Verhaltensexperimenten wurde bislang sehr stark darauf geachtet, Anreize für wahrheitsgemäße Auskünfte zu schaffen – das scheint in diesem Ausmaß nicht erforderlich zu sein“, sagt Dr. Abeler. Und mit Blick auf die Staatsfinanzen: Wenn ein nicht zu anonymes Umfeld gewählt und an das Selbstwertgefühl appelliert werde, könne vielleicht sogar die Steuerehrlichkeit gefördert werden.


Publikation: Truth-Telling: A Representative Assessment, Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, IZA DP No. 6919



5. November 2012

Wissenschaftliche Bibliothek geht online

„Es ist ein weiteres Beispiel für die seit vielen Jahren bestehende gute Kooperation zwischen dem Rhein-Sieg-Kreis und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg“, so Landrat Frithjof Kühn. Gemeint ist die Zusammenarbeit beider Bibliotheken im Hinblick auf die Online-Erfassung der Bibliotheksbestände der Wissenschaftlichen Bibliothek des Rhein-Sieg-Kreises. Den Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht dies eine Internet-Recherche der umfangreichen (historischen) Bestände des Kreisarchivs.

Grundlage für diesen neuen Service ist eine im vergangenen Jahr zwischen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und dem Rhein-Sieg-Kreis abgeschlossene Ergänzungsvereinbarung zur gemeinsamen Führung einer Bibliothek. „Für die Wissenschaftsregion ist diese Kooperation ein ganz wichtiger Schritt, und das Prinzip des offenen Campus wird nun auch auf die Geschichte des Kreises übertragen“, erläutert Professor Hartmut Ihne, Präsident der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg die Beweggründe.

Dank der Unterstützung der Hochschulbibliothek ist es der Wissenschaftlichen Bibliothek des Rhein-Sieg-Kreises nun seit dem 1. Januar 2012 möglich, die bisher nicht professionell erfassten Bestände online zu erschließen. „Die Bürgerinnen und Bürger können somit nicht nur in der Bibliothek selbst am Benutzerterminal nach den Büchern recherchieren, sondern sich bereits zu Hause am PC einen Überblick darüber verschaffen, welche Bücher zu einem bestimmten Thema in der Wissenschaftlichen Bibliothek vorhanden sind“, so Dr. Claudia Arndt, Leiterin des Kreisarchivs. Sie müssen hierfür den „hbz-Verbundkatalog – Gesamtkatalog“ (www.hbz-nrw.de/) aufrufen und die Onlinerecherche starten. Wenn bei der Bestandsinformation die Angabe „Sie 5 Su: WB ARSK Siegburg“ erscheint, ist das Buch/die Medieneinheit in der Wissenschaftlichen Bibliothek verfügbar.

Die Wissenschaftliche Bibliothek wurde 1861 als selbstständige Einrichtung des damaligen Kreises Bonn begründet und ist damit der älteste Teil des Kreisarchivs. Sie ist eine Präsenzbibliothek und umfasst ca. 30.000 Bände. Die ältesten Bücher gehen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Der Bibliotheksbestand wird laufend durch Ankauf erweitert; daneben erfolgt eine Ergänzung durch Belegexemplare, Schriftentausch sowie Schenkungen. Zudem ist das Kreisarchiv bemüht, sämtliche das Kreisgebiet betreffende Literatur zu sammeln, z.B. Monographien, Publikationen der örtlichen Heimat- und Geschichtsvereine sowie Festschriften von Vereinen, Verbänden und Organisationen. Weitere Sammelschwerpunkte sind: Allgemeine Geschichte, Rheinische Landesgeschichte, Historische Hilfswissenschaften, Kirchengeschichte, Kunstgeschichte und Judaica; letztere Abteilung umfasst ca. 1.500 Bände. Aber auch viele grundlegende Nachschlagewerke sind hier vorhanden.

Der Wissenschaftlichen Bibliothek angeschlossen ist die Verwaltungsbücherei des Rhein-Sieg-Kreises.

Ergänzungsvereinbarung zwischen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und dem Rhein-Sieg-Kreis

Am 21. Februar 2011 wurde die „ERGÄNZUNGSVEREINBARUNG zwischen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und dem Rhein-Sieg-Kreis zur gemeinsamen Führung einer Bibliothek“ abgeschlossen.

In § 2 wird darin die Kooperation mit der Wissenschaftlichen Bibliothek des Rhein-Sieg-Kreises geregelt. Im Wortlaut heißt es: „Die Bestände der Wissenschaftlichen Bibliothek des Rhein-Sieg-Kreises (Kreisarchiv) werden in das Bibliotheksverwaltungssystem der Hochschul- und Kreisbibliothek und damit auch in das Verbundsystem der Hochschulbibliotheken einbezogen. Verantwortung und Zuständigkeit des Rhein-Sieg-Kreises für die Wissenschaftliche Bibliothek bleiben unberührt. Die Einzelheiten sind im Anhang zu dieser Vereinbarung geregelt.“




3. November 2012

100 Jahre "Allgemeine Religionswissenschaft"

"Man würde es heute hoch innovativ nennen, dass im Jahr 1912 an der katholisch-theologischen Fakultät eine Professur für 'allgemeine Religionsgeschichte und vergleichende Religionswissenschaft' eingerichtet wurde", schreibt der Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft, Prof. Dr. Christoph Bochinger. Ungewöhnlich ist es bis heute: Die münstersche Fakultät ist die einzige in Deutschland mit einem eigenen religionswissenschaftlichen Seminar. Der zweite Grund zum Feiern: Seit zehn Jahren kann man hier auch ein eigenständiges Studium unabhängig von der Theologie aufnehmen.

Als im Jahr 1912 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) einer der ersten religionswissenschaftlichen Lehrstühle Deutschlands etabliert wurde, rückten die "anderen Religionen" gerade erst in den Blick der Theologie. Franz Joseph Dölger, der erste Lehrstuhlinhaber, war ein Pionier auf diesem Gebiet und ist bis heute bedeutsam. Prägend war auch der international bekannte Theologe und Islamwissenschaftler Prof. em. Dr. Adel Khoury, der von 1970 bis 1993 an dieser Stelle wirkte.

Gefeiert wird das Doppeljubiläum am Freitag, 9. November, ab 14 Uhr im Seminarraum Kth I, Johannisstraße 8-10. Eingeladen sind neben Vertretern der Universität Münster, des Bistums und anderer religionswissenschaftlicher Institute die ehemaligen Mitarbeiter sowie ehemalige Studierende und alle Interessierten. Mit viel Zeit für Gespräche soll die einzigartige Geschichte der münsterschen Religionswissenschaft lebendig werden. Die Feierlichkeiten geben zudem den aktuellen sowie ehemaligen Studierenden ein Forum, ihre eigenen Forschungsarbeiten vorzustellen.

Interessierte sind insbesondere eingeladen zum Festvortrag um 18 Uhr von Prof. Dr. Kim Knott von der Lancaster University in Großbritannien. Kim Knott ist eine international renommierte Vertreterin des Faches und hält einen englischsprachigen Vortrag zu dem Thema "Spaces of religious divesity and encounter: research and its public implications".

Mit der Emeritierung Adel Kourys und der Neubesetzung durch Prof. Dr. Annette Wilke im Jahr 1998 tat sich Bedeutsames: Sie war nämlich nicht nur die erste Frau auf einem religionswissenschaftlichen Lehrstuhl in Deutschland und die erste Professorin an der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster. Unter ihrer Leitung löste sich das Fach auch aus seiner theologischen Verankerung und entwickelte sich zu dem kulturwissenschaftlich arbeitenden Institut, das es heute ist. Seit nunmehr 10 Jahren kann deshalb in Münster Religionswissenschaft studiert werden, früher auf Magisterabschluss, jetzt auf Bachelor. Aber auch für das Theologiestudium ist das Seminar weiterhin wichtig und anerkannt.

Die Geschichte der münsterschen Religionswissenschaft wurde von Studierenden letztes Sommersemester in einem Lehrforschungsprojekt aufgearbeitet. Dadurch entstand eine über 100 Seiten starke Broschüre, die beim Jubiläum vorgestellt wird.

Bei der Feierstunde wird es neben einer Ansprache von Prof. Dr. Annette Wilke Grußworte des Dekans der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Reinhard Feiter, der Direktorin des Centrums für Religiöse Studien (CRS) der WWU, Prof. Dr. Regina Grundmann, und einer Vertreterin des Vorstands der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft geben. Zudem wird eine Ansprache des langjährigen Lehrstuhlinhabers Adel Khoury verlesen.


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Links:
 * http://www.uni-muenster.de/FB2/
Katholisch-Theologische Fakultät
     
     



26. Oktober 2012

Byzantinische Münzen im Visier der Wissenschaft

Das Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Münster hat bei der Heinrich-Hertz-Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen erfolgreich ein Ein-Jahres-Stipendium in Höhe von 18.000 Euro eingeworben. Bestimmt ist es für Dr. Alena Tenchova aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia, welche sich im Rahmen eines münzkundlichen (numismatischen) Projektes mit den byzantinischen Münzbeständen in münsterschen Museen beschäftigen wird, darunter das Archäologische Museum der Uni sowie das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Ziel ist zunächst die Erfassung und wissenschaftliche Beschreibung der etwa 1200 byzantinischen Münzen vom 4. bis zum 15. Jahrhundert. Zudem will Alena Tenchova, die in Sofia promovierte und dabei Münzaufbau, Münz-Zirkulation und die Geldgeschichte im südlichen Bulgarien während der frühbyzantinischen Zeit untersuchte, eine Datenbank vorbereiten. Darüber hinaus geht es um die unterschiedliche Bewertung und Verwendung von oströmischem Geld in den frühmittelalterlichen Jahrhunderten: War das Geld zunächst noch Zahlungsmittel, wurde es später zu einem Wertgegenstand, den man auch als Grabbeigabe findet.

Die nach dem deutschen Physiker Heinrich Hertz (1857 - 1894) benannte Stiftung mit Sitz in Düsseldorf fördert die Wissenschaft durch den internationalen Austausch von Wissenschaftlern und gewährt darüber hinaus besonders qualifizierten Studierenden Stipendien.

Links:
    Institut für Byzantinistik und Neogräzistik




25. Oktober 2012

Buntbarsche sehen Infrarot

Buntbarschmännchen
beim Jagen eines Bachflohkrebses. (c) Foto: Denis Meuthen/Uni Bonn


Biologen der Universität Bonn haben entdeckt, dass Buntbarsche auch im nahen Infrarotbereich sehen können - bislang hielten Wissenschaftler dies für ausgeschlossen. Das Infrarotsehen hilft den Fischen offenbar, in flachen afrikanischen Flüssen zu jagen. Die Ergebnisse werden in der renommierten Zeitschrift „Naturwissenschaften“ veröffentlicht und sind bereits jetzt online abrufbar. Ein Forscherteam in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. T. C. M. Bakker vom Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie der Universität Bonn erforscht schon seit vielen Jahren die Biologie von Smaragdprachtbarschen (Pelvicachromis taeniatus).

Forscher führten ein Futterwahlexperiment durch


Die Sehfähigkeiten des Fisches im Infrarotbereich wurden von den Wissenschaftlern mit einem klassischen Futterwahlexperiment festgestellt. Die Buntbarsche ernähren sich auch von kleinen Krebsen wie Bachflohkrebsen. Diese Beutetiere reflektieren Strahlung im nahen Infrarotbereich. Diesen Umstand nutzten die Forscher, um die Infrarotwahrnehmung der Fische zu erkunden. In einem lichtdichten Raum wurde unter Infrarotlampen ein Wahlversuch aufgebaut. Vor einem Wasserbecken, in dem sich die Fische aufhielten, wurden den Buntbarschen in zwei getrennten Kammern Bachflohkrebse angeboten. Eine der Kammern mit der Beute war mit einer Filterfolie beklebt, die keine Infrarotstrahlung durchließ. Auf die andere Kammer war hingegen eine Folie aufgebracht, die ausschließlich von Infrarotlicht durchdrungen werden kann. Die Buntbarsche sahen deshalb nur in einer Kammer die Bachflohkrebse im nahen Infrarotbereich, erläutert Dr. Baldauf, einer der an der Studie beteiligten Forscher.

Physiologen hielten Sehen im nahen Infrarot für unwahrscheinlich


Im Experiment zeigte sich, dass sich die Buntbarsche viel häufiger und länger vor der Kammer mit den Bachflohkrebsen aufhielten, die die nahe Infrarotstrahlung durchließ. Die Fische erkennen die Beute also anhand der Infrarotstrahlung, berichtet der Biologe der Universität Bonn. Dieser überraschende Befund ist nun erstmals gelungen. Physiologen hielten bislang das Rauschen im nahen Infrarotbereich für zu groß, um mit den Augen der Tiere ein Bild zu erzeugen. Wie das Experiment zeigt, können die Buntbarsche Reize im Wellenlängenbereich oberhalb von 780 Nanometern wahrnehmen. Zwar ist bekannt, dass etwa auch Schlangen Infrarot wahrnehmen, jedoch im deutlich längeren Wellenlängenbereich von rund 2000 Nanometer. Dies geschieht allerdings nicht mit den Augen, sondern mit einem speziellen wärmeempfindlichen Grubenorgan, sagt Dr. Baldauf. Menschen können Infrarotstrahlung hingegen nicht mit ihren Sehzellen wahrnehmen.

Buntbarsche können mit ihren Augen Infrarotlicht wahrnehmen. 
(c) Foto: Denis Meuthen/Uni Bonn


Infrarotsehen ist im natürlichen Habitat sinnvoll


Der Vorteil des Infrarotsehens der Buntbarsche liegt auf der Hand, wenn man das natürliche Habitat betrachtet. Die flachen Flüsse Westafrikas weisen relativ viel Infrarotstrahlung auf. Gerade deshalb ist es naheliegend, dass dieser Sinn zur Beutesuche angewendet wird, erläutert der Biologe der Universität Bonn. Es ist ein klarer Selektionsvorteil, wenn man zusätzliche Signale wahrnehmen kann, die andere nicht sehen. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass auch andere Tiere die nahe Infrarotstrahlung nutzen, um zu jagen oder sich zu orientieren etwa Vögel. Die Forscher der Universität Bonn wollen nun genauer untersuchen, inwieweit die Infrarotstrahlung für die Buntbarsche auch in anderen Kontexten, wie beispielsweise der Kommunikation zwischen Artgenossen, von Nutzen ist.

Infrarotstrahlung in der Partnerwahl?


Bei Farbmessungen an den Buntbarschen stellten die Forscher fest, dass die Tiere an bestimmten Stellen ihres Körpers das Licht im nahen Infrarotbereich der Wärmestrahlung reflektierten. Wir registrierten, dass die Weibchen am Bauch und die Männchen an den Flossen Infrarotstrahlung reflektieren, sagt Dr. Baldauf. Die Bauchfärbung ist für die Fortpflanzung und die Flossen sind für das Imponierverhalten in Kampfsituationen dieser Fische wichtig. Daher könnte Infrarotstrahlung während der Partnerwahl eine wichtige Rolle spielen, meint der Biologe. Und das möchten wir in weiterführenden Experimenten untersuchen.


Publikation: Visual prey detection by near-infrared cues in a fish, Naturwissenschaften, DOI: 10.1007/s00114-012-0980-7




Literarische Praktiken in Skandinavien um 1900


Das Institut für Skandinavistik/Fennistik der Universität zu Köln und das Skandinavische Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg veranstalteten jetzt die Abschlusstagung des 3-jährigen DFG-geförderten Projekts „Literarische Praktiken in Skandinavien um 1900“.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Forschungsergebnisse aus der Skandinavistik, Germanistik und Soziologie präsentiert. Bisher wenig beachtete literarische Praktiken wie die Autorenlesung, das Kabarett oder die Kopenhagener Buchmesse von 1922 verdeutlichen, wie sich in einer Zeit medialer Veränderungen – etwa durch die Entwicklung von ‚Massenmedien‘ – neue Handlungsweisen mit Literatur etablieren und alte verändern.

Weitere Informationen: www.skanlitprax.de




20. Oktober 2012

Schwarzer Hautkrebs - der Wolf im Schafspelz


Schwarzer Hautkrebs ist so gefährlich, weil er dazu neigt, früh Metastasen zu bilden. Neue Behandlungsansätze nutzen unter anderem die Fähigkeit der Immunabwehr, bösartige Zellen aufzuspüren und zu zerstören. Doch diese Strategie ist oft nur vorübergehend wirksam. Warum dies so ist, haben Forscherteams der Universität Bonn und der Universitätsmedizin Mainz herausgefunden: In der durch die Behandlung verursachten Entzündungsreaktion wandeln die Tumorzellen vorübergehend ihre äußere Gestalt und werden dadurch für Abwehrzellen unsichtbar. Diese Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die Verbesserung von Kombinationstherapien. Die Ergebnisse sind nun im renommierten Fachjournal „Nature“ online abrufbar. Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Deutschen Krebshilfe gefördert.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 15.000 Menschen an Schwarzem Hautkrebs, etwa 2.000 Menschen sterben pro Jahr daran. Das maligne Melanom ist die Hautkrankheit, die am häufigsten tödlich verläuft. Die besondere Bösartigkeit rührt daher, dass schon kleine Tumoren über die Lymph- und Blutbahnen streuen können. Seit mehreren Jahren untersucht die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Thomas Tüting, Leiter des Labors für Experimentelle Dermatologie am Universitätsklinikum Bonn und Leiter des Forschungsprojektes, die Wirkung einer zielgerichteten Immuntherapie mit tumorspezifischen Abwehrzellen.

Tumorzellen verhalten sich wie der Wolf im Schafspelz


In Versuchen mit Mäusen, die erblich bedingt an Schwarzem Hautkrebs erkranken, gelang es den Forschern, mit sogenannten zytotoxischen T-Zellen fortgeschrittene Tumore zu zerstören. „Aber sie kommen - genau wie bei Patienten in der Klinik - nach einiger Zeit wieder“, erläutern Dr. Jennifer Landsberg und Dr. Judith Kohlmeyer vom Labor für Experimentelle Dermatologie am Universitätsklinikum Bonn und Erstautorinnen der Studie. Diese Therapieform löst eine Entzündung aus. Nun fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Melanomzellen genau durch diese begleitende entzündliche Reaktion ihre äußere Gestalt wandeln. „Sie verhalten sich wie Wölfe im Schafspelz und entgehen dadurch der Erkennung und Zerstörung durch Abwehrzellen“, sagt Marcel Renn, ebenfalls Erstautor der Studie.

Das Immunsystem kann Tumore bekämpfen – aber auch schützen


Auf der Suche nach den zugrunde liegenden Mechanismen brachten die Forscher feingewebliche Untersuchungen der Tumoren auf die richtige Spur: Therapieresistente Melanome zeigten eine deutlich stärkere Entzündungsreaktion mit vielen Fresszellen des Immunsystems, den sogenannten Makrophagen. Ein hauptsächlich von diesen Immunzellen ausgeschütteter Botenstoff - der Tumornekrosefaktor-alpha - konnte den Gestaltwandel der Melanomzellen direkt in der Kulturschale im Labor herbeiführen. Die so behandelten Zellen wurden in der Folge von den Abwehrzellen kaum noch erkannt. „Das Immunsystem ist eben ein zweischneidiges Schwert“, erklärt Prof. Tüting. „Es kann den Tumor bekämpfen – aber auch schützen.“ Solche Veränderungen im Tumorgewebe sind wahrscheinlich von großer Bedeutung für die Ausbildung einer Therapieresistenz. „Nach neueren Erkenntnissen ist davon auch die Behandlung mit Hemmstoffen betroffen, die die Signalübertragung in Tumorzellen unterbinden“, führt Prof. Tüting aus.

Melanomzellen verlieren ihre typischen Eigenschaften


Molekulargenetische Untersuchungen ergaben, dass Melanomzellen aus therapieresistenten Tumoren die für Pigmentzellen typischen Merkmale verloren hatten. Stattdessen zeigten sie Züge von Bindegewebszellen. „Diesen Gestaltwandel können Melanomzellen möglicherweise deshalb so leicht vollziehen, weil sie in der embryonalen Entwicklung von Zellen in der Neuralleiste abstammen, die auch Bindegewebs- und Nervenzellen ausbilden können“, sagt Prof. Dr. Michael Hölzel, Mitautor aus dem Institut für klinische Pharmakologie und klinische Chemie am Universitätsklinikum Bonn.

Ergebnisse lassen sich auch auf den Menschen übertragen


Die zunächst in einem Tiermodell in Bonn gewonnenen Erkenntnisse wurden an der Universitätsmedizin Mainz  an menschlichen Melanomzellen mit dazugehörigen Abwehrzellen unterschiedlicher Antigenspezifität in der Kulturschale nachvollzogen. Die Melanomzellen reagierten auf den Botenstoff Tumornekrosefaktor-alpha ebenfalls mit einem Verlust der Pigmentzell-Eigenschaften und konnten dann von Pigmentzell-spezifischen Abwehrzellen nicht mehr erkannt werden. „Die Erkennung durch andere Abwehrzellen, die spezifische genetische Veränderungen in den Melanomzellen aufspüren können, war hierdurch jedoch nicht beeinträchtigt. Dies bestätigt die Relevanz solcher Antigene, die wir in Mainz in verschiedenen Patientenmodellen nachgewiesen haben“, betont Prof. Dr. Thomas Wölfel, Leiter der an der Studie beteiligten Arbeitsgruppe an der III. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mainz und ebenfalls Co-Autor der Studie.

Wichtige Erkenntnisse für neue Behandlungsstrategien


Sobald jedoch der Tumornekrosefaktor-alpha nicht mehr auf die Melanomzellen des Menschen und der Maus einwirkte, gewannen sie ihre Pigmentzell-Eigenschaften wieder zurück. Dann konnten sie auch wieder von allen Immunabwehrzellen erkannt und bekämpft werden. Aus all diesen Erkenntnissen ergeben sich wichtige Hinweise für neue Behandlungsstrategien. So sollten in Zukunft Abwehrzellen gegen Antigene unterschiedlicher Kategorien und Spezifität zum Einsatz kommen und gleichzeitig die von den Tumorzellen ausgenutzte Entzündung therapeutisch gebremst werden. „Unser experimentelles Modellsystem wird uns dabei helfen, möglichst rasch optimal wirksame Kombinationstherapien zu entwickeln“, sagt Prof. Tüting. „Bis zur klinischen Anwendung derartiger Strategie werden jedoch noch einige Jahre  vergehen.“

Publikation: Melanomas resist T-cell therapy through inflammation-induced reversible dedifferentiation, Nature, DOI: 10.1038/nature11538




19. Oktober 2012

Lügen - Testosteron macht ehrlicher


Testosteron gilt als das Männlichkeitshormon schlechthin - es steht für Aggression und Imponiergehabe. Wissenschaftler um den Ökonomen Prof. Dr. Armin Falk von der Universität Bonn konnten nun zusammen mit Kollegen der Maastricht University überraschend zeigen, dass das Geschlechtshormon auch soziales Verhalten fördert. In Spielsituationen erwies sich, dass Probanden nach Gabe von Testosteron deutlich seltener logen als Personen die nur ein Placebo erhielten. Die Ergebnisse sind nun in der internationalen Online-Fachzeitschrift der Public Library of Science „PLoS ONE“ erschienen.

Das Hormon Testosteron steht für typisch männliche Attribute: Es sorgt für die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale, fördert die Libido und steigert den Muskelaufbau. Frauen verfügen ebenfalls über dieses Geschlechtshormon, doch in viel geringerem Maß. Dem Testosteron wird immer wieder nachgesagt, dass es aggressiv macht sowie riskantes Verhalten und Imponiergehabe steigert, berichtet der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Bernd Weber vom Center for Economics and Neuroscience (CENS) der Universität Bonn. Neuere Studien deuten jedoch darauf hin, dass das Geschlechtshormon auch das Sozialverhalten fördert.

Frage nach dem ursächlichen Zusammenhang blieb unbeantwortet


Der Nachteil vieler Studien ist jedoch, dass sie lediglich den Testosteronspiegel der Probanden mit deren Verhalten vergleichen, schildert Erstautor Dr. Matthias Wibral. Dieser Ansatz gebe aber lediglich statistische Zusammenhänge wieder und erlaube keine Einblicke in die Ursachen des Verhaltens. Denn das Testosteron beeinflusst nicht nur das Verhalten, sondern das Verhalten umgekehrt auch den Hormonspiegel. Die Wissenschaftler des CENS suchten deshalb nach einem experimentellen Ansatz, der auch Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung erlaubt.

Bonner Forscher verfolgten neuartigen Ansatz


Die Forscher gewannen insgesamt 91 gesunde Männer für ein Verhaltensexperiment. Von diesen Probanden wurden 46 mit Testosteron behandelt, indem das Hormon als Gel auf die Haut aufgetragen wurde. Endokrinologen des Bonner Universitätsklinikums überprüften am Tag danach, ob bei ihnen der Testosteronspiegel im Blut tatsächlich höher war als in der Placebogruppe. Die anderen 45 Testpersonen bekamen lediglich ein Placebo-Gel. Weder die Probanden selbst, noch die durchführenden Wissenschaftler wussten, wer Testosteron bekommen hat und wer nicht, berichtet Dr. Wibral. Damit sollten mögliche Einflüsse auf das Verhalten ausgeschlossen werden.

Würfelspiele mit der Möglichkeit zu schummeln


Dann folgten die Verhaltensexperimente: Die Testpersonen führten ein einfaches Würfelspiel in separaten Kabinen durch. Je höher die gewürfelte Augenzahl, desto größer war der Geldbetrag, den es als Belohnung gab. Diese Versuche waren so konzipiert, dass die Probanden lügen konnten, berichtet Prof. Weber. Niemand bekam in den abgeschirmten Kabinen mit, ob sie tatsächlich die gewürfelte Zahl in den Computer eingaben oder eine höhere, um mehr Geld zu bekommen. Allerdings konnten die Wissenschaftler im Nachhinein feststellen, ob die verschiedenen Testpersonengruppen geschummelt hatten oder nicht. Statistisch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit für alle Würfelzahlen von eins bis sechs gleich hoch, erläutert der Neurowissenschaftler. Wenn also bei diesen Zahlen ein Ausreißer nach oben vorkommt, ist dies ein klares Indiz, dass Probanden gelogen haben.

Probanden mit höheren Testosteronwerten logen seltener


Die Forscher verglichen die Ergebnisse der Testosterongruppe mit der Kontrollgruppe. Dabei zeigte sich, dass die Probanden mit den höheren Testosteronwerten deutlich seltener logen als die unbehandelten Testpersonen, berichtet der Ökonom Prof. Dr. Armin Falk, zusammen mit Prof. Weber einer der Direktoren des CENS. Dieses Ergebnis widerspricht klar dem eindimensionalen Ansatz, dass Testosteron zu antisozialem Verhalten führt. Wahrscheinlich steigere das Hormon den Stolz und das Bedürfnis, ein positives Selbstbild zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund reichten offenbar ein paar Euro als Anreiz nicht aus, das Selbstwertgefühl aufs Spiel zu setzen, vermutet Prof. Falk.

Lügen sind im Privaten und Geschäftlichen verbreitet


Das Phänomen zu lügen ist mit großen Tabus behaftet. So verbietet etwa das achte Gebot im Christentum, falsch Zeugnis zu reden. Lügen spielen jedoch auf geschäftlicher als auch privater Ebene eine wichtige Rolle, sagt Prof. Falk. Häufig werde nicht nur aus Eigennutz gelogen, sondern auch, um einen anderen Menschen zu schützen oder zu begünstigen. In vielen Studien sei dieses Verhalten und seine ökonomischen Auswirkungen untersucht worden. Es gibt allerdings nur sehr wenige Untersuchungen zu den biologischen Ursachen der Lüge, sagt der Ökonom der Universität Bonn. Hier sind wir nun mit unserer Studie einen großen Schritt vorangekommen.


Publikation: Testosterone administration reduces lying in men, PLoS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0046774


Quelle:  www.uni-bonn.de


18. Oktober 2012

Tot oder lebendig? Trickreiche Jagd nach Eindringlingen


Wissenschaftler unter Federführung der Universität Bonn haben einen Mechanismus entschlüsselt, der infizierte Zellen befähigt, lebende von toten Erregern zu unterscheiden. Erst dadurch können die von Eindringlingen befallenen Zellen entscheiden, wie stark die Immunantwort gegen die Erreger ausfallen muss. Die Ergebnisse liefern die Grundlage, um neuartige Impfstrategien zu entwickeln. Das renommierte Journal der European Molecular Biology Organisation (EMBO) veröffentlicht nun die überraschenden Resultate.

Milliarden von Krankheitserreger attackieren tagtäglich unseren Körper - und werden meistens vom Immunsystem in Schach gehalten. Es handelt sich dabei um einen Wettlauf mit der Zeit, verdeutlicht Prof. Dr. Percy Knolle, von den Instituten für Molekulare Medizin und Experimentelle Immunologie an der Universität Bonn. Die Zahl der bakteriellen Erreger verdoppelt sich etwa alle 20 Minuten. Der Organismus wird mit gefährlichen Keimen überschwemmt, wenn er nicht rechtzeitig gegensteuert. Die Wachposten des Immunsystems in Form von Fresszellen sind gleichmäßig über den gesamten Körper verteilt, allerdings in geringer Dichte. Erst wenn an einer bestimmten Stelle Alarm geschlagen wird, werden die im Blut zirkulierenden Truppen der Immunabwehr dort konzentriert, um die Eindringlinge schnell unschädlich zu machen.

Wie erkennen die Wachposten, wie gefährlich die Angreifer sind?


 Bislang war unklar, wie das Immunsystem unterscheidet, ob eine starke Abwehr vonnöten ist oder ob auch eine schwächere Reaktion ausreicht, sagt Dr. Zeinab Abdullah, Erstautorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Knolle. So ist es ein Unterschied, ob vom Körper ein totes Bakterium beseitigt werden muss, das nur noch geringen Schaden anrichten kann, oder ob es sich um ein lebendes Bakterium handelt, das sich weiter vermehren und Krankheiten verursachen kann. Während bei dem toten Mikroorganismus eine schwächere Entzündungsreaktion und damit eine geringe Mobilisation von Immunzellen zum Ort der Infektion ausreicht, erfordern aktive und gefährliche Erreger in der Regel einen weitaus umfangreicheren Einsatz. Die starke Entzündungsreaktion ist eine Abwehrstrategie, weil dabei Botenstoffe ausgesendet werden, die weitere Fresszellen und Effektorzellen anlocken, die die Eindringlinge unschädlich machen, berichtet Prof. Knolle.

Bakterien in Rohmilchkäse dienen als Modellorganismen im Labor


Die Wissenschaftler untersuchten nun beispielhaft an dem Bakterium Listeria monocytogenes, wie sich diese Mikroorganismen in lebenden Zellen verhalten und wie das Immunsystem darauf reagiert. Listerien können bei Menschen und Tieren Infektionskrankheiten verursachen, deshalb sollte etwa Rohmilchkäse während der Schwangerschaft nicht verzehrt werden. Uns dienen Listerien als Modellorganismen, an denen wir erforschen, wie solche verbreiteten Infektionskrankheiten besser bekämpft werden können, sagt Dr. Abdullah. Wie unterscheiden Zellen, ob sie mit toten oder lebendigen Listerien infiziert sind? Dieser Frage gingen die Forscher an Zellkulturen von Mäusen nach.

Lebende Bakterien legen unabsichtlich eine feine Duftspur


In vielen Situationen erkennt das Immunsystem Eindringlinge an bestimmten Rezeptoren, die wie Antennen an der Oberfläche der Erreger herausragen, erläutert Prof. Knolle. Allerdings sind sie sowohl bei lebenden als auch toten Erregern vorhanden. Es muss also einen anderen Weg geben, wie die Zellen lebendige von toten Eindringlingen unterscheiden, berichtet der Immunologe der Universität Bonn. Die Forscher stellten fest, dass Listerien im Inneren von Fresszellen winzige Mengen Nukleinsäuren freisetzen. Damit versuchen die Bakterien offenbar, die Immunantwort in den Zellen abzuschwächen, sagt Prof. Knolle. Dies funktioniert ganz ähnlich, wie wenn die Funkverbindung bei einer feindlichen Armee gestört wird. Allerdings legen die Bakterien damit unabsichtlich auch eine feine Duftspur, die von den zellulären Sensoren RIG-I, MDA5 und STING im Innern der Fresszellen erkannt werden kann. Es handelt sich dabei um eine sehr frühe und differenzierte Form der Erkennung, dass es sich um ein lebendes und damit potenziell gefährlicheres Bakterium handelt, berichtet Dr. Abdullah. Denn tote Listerien würden keine Nukleinsäurespur mehr absondern.

Ergebnisse bieten Chancen für neue Impfstrategien


Sind die intrazellulären Sensoren der Fresszellen durch die Bakterien-Nukleinsäuren aktiviert, wird eine Signalkaskade in Gang gesetzt, die zur Produktion von Substanzen führen, die antibakteriell wirken und eine starke Entzündungsreaktion auslösen. Dies führt zur Rekrutierung vieler weiterer Immunzellen mit dem Ziel, die Eindringlinge auszuschalten und eine starke, lang anhaltende Immunität zu etablieren. Wir haben mit unseren Befunden den molekularen Mechanismus entschlüsselt, wie die Stärke einer Entzündungsreaktion und damit auch die Entstehung von protektiver Immunität gesteuert wird, sagt Prof. Knolle. Mit unseren Ergebnissen können wir nun verstehen, warum eine Infektion mit einem lebenden Erreger eine deutlich stärkere und längere Immunantwort auslöst als mit einem toten Eindringling. Dieses Wissen sei entscheidend, um neue Impfstrategien zu entwickeln.

Die Forschungsarbeiten fand im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 670
Zellautonome Immunität und des an der Universität Bonn neu etablierten Exzellenclusters Immunosensation statt. Beteiligt an der Entdeckung waren das Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie der Universität Bonn, die Universität Gießen, die Technische Universität München, die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Helmholtz Zentrum München, die McGill University Montreal (Kanada), und das Aichi Institute of Technologie in Japan beteiligt.


Publikation: RIG-I detects infection with live Listeria by sensing secreted bacterial nucleic acids, EMBO Journal, DOI: 10.1038/emboj.2012.279


Quelle:  www.uni-bonn.de


17. Oktober 2012

Über die Rätsel des Universums


An der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) erfahren Schüler, Studierende aller Fachbereiche und andere Interessierte am 26. und 27. Oktober Interessantes aus Astrophysik, Kosmologie und verwandten Wissenschaften: Doktoranden und Diplomanden aus dem Institut für Kernphysik laden zum jährlichen Astroseminar ein. Im Fokus stehen dieses Mal "ungelöste Mysterien des Universums". Um teilzunehmen sind keine besonderen Fachkenntnisse erforderlich. 

Beginn ist am Freitag, 26. Oktober, um 15 Uhr, im Hörsaal der Angewandten Physik, Corrensstraße 2-4. Der Eintritt ist frei. Aus organisatorischen Gründen ist eine Anmeldung erforderlich. Erstmals bieten die Veranstalter in diesem Jahr auch eine Laborbesichtigung an, für die eine gesonderte Anmeldung nötig ist. Weitere Informationen finden sich unter http://www.uni-muenster.de/Physik.Astroseminar/index.html.

Experten von auswärtigen Forschungseinrichtungen sowie von der WWU geben Einblicke in aktuelle Fragen der Kosmologie und der Astrophysik. Beispielsweise geht es um das Higgs-Boson, dessen sensationelle Entdeckung Wissenschaftler des Kernforschungszentrums CERN im Sommer dieses Jahres bekannt gaben. Andere Themen sind unter anderem die geheimnisvolle "Dunkle Materie", nach der Physiker weltweit fahnden, sowie die Fragen, was unser Universum auseinander treibt und woher die Bausteine des Lebens kommen.

Das Astroseminar wird unter anderem unterstützt von der Klaus-Tschira-Stiftung, dem Forschungsprogramm "Laboratory Astrochemical Surface Science in Europe" (LASSIE) der Europäischen Kommission, der Wilhelm-und-Else-Heraeus-Stiftung und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sowie vom Fachbereich Physik der WWU.


Links:
 Webseiten zum Astroseminar
     
 Anmeldung zum Seminar
     
 Anmeldung zur Laborführung


16. Oktober 2012

Liebesfilm oder Komödie?


Soll es ein Liebesfilm sein, Action oder doch lieber eine Komödie? Wer in der Videothek einen Film aussucht oder ins Kino geht, hat die Qual der Wahl. Besonders schwierig wird es, wenn mehrere Personen gemeinsam einen Film anschauen wollen. Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zeigen nun, dass neue computergestützte Empfehlungssysteme helfen können, einen Film zu finden, der allen Mitgliedern einer Gruppe gefällt. Damit haben solche Systeme ein großes Potenzial für Unternehmen, die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung zu verbessern. Die Studie der münsterschen Forscher, an der 460 Testpersonen teilnahmen, ist in der aktuellen Ausgabe des renommierten "Journal of Marketing" erschienen.

Intelligente Empfehlungssysteme können Nutzern maßgeschneiderte Produktempfehlungen geben, die auf ihren jeweiligen Vorlieben und ihrem bisherigem Verhalten basieren. Systeme, die den einzelnen Kunden Produktvorschläge machen, werden beispielsweise von Online-Verkaufsplattformen wie Amazon eingesetzt. Empfehlungssysteme für Gruppen sind dagegen bislang nicht verbreitet. Nun zeigen die Autoren erstmals anhand einer umfangreichen Studie für die Auswahl von Spielfilmen, dass solche Gruppen-Empfehlungssysteme tatsächlich einen Mehrwert für Nutzer bieten können. "Unsere Ergebnisse belegen, dass Kunden eine bessere Auswahl treffen können und mit dem gewählten Film zufriedener sind, wenn sie Gruppen-Empfehlungssysteme nutzen" erklärt Prof. Dr. Thorsten Hennig-Thurau vom Marketing Center Münster, der die Studie gemeinsam mit Dr. André Marchand und Paul Marx durchgeführt hat. Die Autoren weisen dabei auch nach, dass die Systeme für Menschen, die sich nahestehen und sich solcher Technik gegenüber aufgeschlossen zeigen, besonders vielversprechend sind.

Empfehlungssysteme sind nicht nur für die Auswahl von Filmen einsetzbar, sondern auch für andere Bereiche der Freizeitgestaltung, beispielsweise Urlaubsreisen, Restaurant- oder Konzertbesuche. "Das Anwendungsfeld von Gruppen-Empfehlungssystemen ist sehr groß. Schließlich verbringen die meisten Menschen einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit gemeinsam mit Freunden, Bekannten oder der Familie", betont Dr. André Marchand. "Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft computergestützten Entscheidungshilfen eine immense Bedeutung zukommen wird", prognostiziert er. "Schließlich werden die Angebote, die die Freizeit- und Medienbranche bereithält, immer unüberschaubarer." Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Erkenntnisse Anbieter dazu motivieren, sich nicht nur an einzelnen Kunden auszurichten, sondern auch für Gruppen attraktive Empfehlungen zu generieren.

An der Studie nahmen insgesamt 460 Testpersonen teil. Jeweils ein Gruppenmitglied durfte aus einer Auswahl an – für alle Gruppenmitglieder unbekannten – Filmen denjenigen wählen, den die Gruppe später gemeinsam anschaute. Dabei erhielten die Testpersonen Empfehlungen, die entweder nur den eigenen Filmgeschmack berücksichtigten oder auch den der Gruppe. Eine Kontrollgruppe suchte den Film ohne computergestützte Empfehlungen aus.
 Originalpublikation: Thorsten Hennig-Thurau, André Marchand, and Paul Marx (2012), "Can Automated Group Recommender Systems Help Consumers Make Better Choices?" Journal of Marketing, 76 (5), 89-109


Links:
  Forschung A-Z/Dr. André Marchand


15. Oktober 2012

RoboCup German Open 2013


Vom 26. bis 28. April 2013 werden in Magdeburg die 12. RoboCup German Open stattfinden. Die Landeshauptstadt ist damit bereits zum vierten Mal Gastgeber für dieses internationale Robotikturnier. Im Rahmen der German Open wird zudem die 13. Deutsche RoboCup-Junior-Meisterschaft ausgetragen, für deren Qualifikation jetzt bundesweit Anmeldungen möglich sind.

"RoboCup Junior steht für Technikbegeisterung, Teamarbeit und attraktive Nachwuchsförderung. Ich freue mich schon heute auf die zahlreichen Teams aus ganz Deutschland. Wir können uns als Wissenschaftsstadt präsentieren und  gleichzeitig Kindern und Jugendlichen aus der Region zeigen, dass Wissenschaft und Technik attraktiv und spannend ist", freut sich Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper.

Während des letzten Aprilwochenendes werden die Hallen der Messe Magdeburg wieder fest in der Hand von Schülerinnen und Schülern, Nachwuchsforschern und Wissenschaftlern mit ihren autonomen Robotern sein.

RoboCup Junior - Anmeldung zur Qualifikation

Für den Nachwuchswettbewerb RoboCup Junior sind seit heute Anmeldungen möglich. Die Schülerteams müssen sich zunächst in regionalen Vorturnieren für eine Teilnahme an der Deutschen RoboCup-Junior-Meisterschaft  qualifizieren. Im Frühjahr 2013 finden bundesweit vier Qualifikationsturniere statt: im Kulturzentrum Vöhringen (23. und 24. Februar), an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin (23. und 24. Februar), in Hannover auf dem Messegelände (25. und 27. Februar) und in der Urania in Berlin (2. und 3. März). Eine Qualifikation ist aufgrund der stark gestiegenen Anzahl von aktiven Schülerteams notwendig geworden und wird seit dem vergangenen Jahr praktiziert.

Wer sich bei einem der Qualifikationsturniere für die 13. Deutsche RoboCup- Junior-Meisterschaft  qualifiziert, trifft vom 26. bis 28. April 2013 bei der RoboCup German Open auf der Messe Magdeburg auf die besten RoboCup-Junior-Teams aus ganz Deutschland. Dort werden die deutschen Meister in den drei Disziplinen Dance, Rescue und Soccer ermittelt. Die Besten qualifizieren sich zudem für eine Teilnahme an der RoboCup-Weltmeisterschaft, die vom 24. bis zum 30. Juni 2013 nach fünf Jahren wieder in Europa ausgetragen wird und in Eindhoven in den Niederlanden stattfindet.

Die Online-Anmeldung für die RoboCup-Junior-Qualifikationsturniere ist bis zum 30. November 2012 möglich. Volljährige Teambetreuer können ihre Juniorteams, die bei der kommenden RoboCup-Saison dabei sein wollen, für eines der Qualifikationsturniere anmelden.

Die Registrierung ist ausschließlich online unter http://www.robocupgermanopen.de möglich. Dort finden sich auch alle weiteren Informationen zu den vier Qualifikationsturnieren und zur RoboCup German Open 2013 in Magdeburg.

Hintergrund

RoboCup Junior ist der Nachwuchswettbewerb des international bekannten Forscherwettbewerbes RoboCup (www.robocup.org) für Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 19 Jahren.

RoboCup Junior wird in drei verschiedenen Disziplinen gespielt. Bei der Dance Challenge entwickeln die Schüler und Schülerinnen mit ihren Robotern eine Performance, in der sie selbst mitwirken. Beim Soccer Challenge spielen die selbstkonstruierten Roboter der Teams gegeneinander Fußball. Beim Rescue Challenge geht es darum, mit den Robotern in kurzer Zeit einen Hindernisparcours zu bewältigen. Diese Disziplin ist der ideale Einstieg für Teams, die bisher noch nicht am RoboCup Junior teilgenommen haben.

Für die Konstruktion der Roboter können Schülerinnen und Schüler marktübliche Roboterbausätze verwenden oder sie aus mechanischen und elektronischen Komponenten frei gestalten. Das internationale Regelwerk beschreibt für jede Disziplin die Spielfelder so wie die Maße und Eigenschaften der Roboter, die eingehalten werden müssen.

Die Teilnahme am RoboCup Junior ist Motivation und ein lohnendes Ziel für bestehende und neu gegründete Roboter-Arbeitsgemeinschaften an Schulen oder im Rahmen von außerschulischen oder privaten Initiativen. Junge Menschen bekommen die Möglichkeit, sich intensiv und mit Freude mit attraktiven technischen Themen zu beschäftigen. RoboCup-Junior-Wettbewerbe leisten so einen aktiven und nachhaltigen Beitrag zur Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT).

Ansprechpartner
Dr. Ansgar Bredenfeld, Chair der RoboCup German Open, E-Mail: ansgar.bredenfeld@robocupgermanopen.de, Telefon: 0391-59 777 605

Janine Lehmann, Landeshauptstadt Magdeburg, Büro des Oberbürgermeisters, Team Wissenschaft, E-Mail: Janine.Lehmann@ob.magdeburg.de, Telefon: 0391- 5 40 26 36