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10. Dezember 2012

Gefährliche Party-Pillen

Bei Dr. Michele Cagnoli erregt das "ernste Besorgnis": Die Anzahl junger Patienten mit Amphetaminkonsum bis hin zur Abhängigkeit steigt in der Marler Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL). Hier wie insgesamt in Deutschland gebe es die "alarmierende Entwicklung, dass die Betroffenen immer jünger werden", so der stellvertretende Ärztliche Direktor der Marler LWL-Klinik.

Neben aufputschenden Energy-Drinks bilden sie in manchen Kreisen schon fast einen festen Konsum-Bestandteil bei Partys unter Jugendlichen: Amphetamine. Kleine bunte Pillen oder Pülverchen, die die Stimmung unter den Partygästen deutlich pushen und ihnen eine schier unerschöpfliche Kondition auf der Tanzfläche vorgaukeln.

"Doch so harmlos diese Partydrogen auch scheinen - sie können Einstiegsdroge sein und gravierende körperliche Schäden verursachen", warnt Cagnoli. Erschwerend komme hinzu, dass diese Drogen häufig mehrfach binnen weniger Stunden eingenommen werden. Cagnoli nennt ein aktuelles Beispiel: "Jüngst meldete das Krefelder Herzzentrum schwere Herzschädigungen von Patienten, auch aufgrund ihres Amphetaminkonsums. Die Herzen der Jugendlichen im Alter von 19-23 Jahren sind irreparabel schwer geschädigt." In zwei Fällen sei sogar eine Transplantation notwendig, zitiert der LWL-Experte entsprechende Berichte.

Die genauen Inhaltsstoffe dieser gefährlichen Gute-Laune-Pillen sind laut Cagnoli zumeist unklar. Oft werden verschiedene Substanzen in unterschiedlichen Stärken gemischt - mit unvorhersehbaren Wechselwirkungen auf den Organismus. Als sichtbare Symptome eines regelmäßigen Konsums bezeichnen Fachleute etwa Zittern, weite Pupillen, eine auffällig gehobene oder gereizte Stimmung, einen erhöhten Redefluss, ein plötzlich gestärktes Selbstbewusstsein bis hin zur Selbstüberschätzung, gepaart mit Appetitlosigkeit und einem verminderten Schlafbedürfnis.

Wer solche Symptome bei seinem Kind feststellt, sollte sich sofort an seinen Hausarzt wenden, rät der LWL-Kinder- und Jugendpsychiater. Hält dieser eine weitere Abklärung
oder Behandlung für notwendig, bietet die Ambulanz der LWL-Klinik Marl-Sinsen unter 02365/ 802-2402 Hilfe an.

Hintergrund:

Die Marler LWL-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie ("Haardklinik"), mit 119 Betten eines der größten Fachkrankenhäuser in Deutschland, verfügt mit der Station "Spurwechsel" über eine spezielle Station mit zwölf Behandlungsplätzen für männliche und weibliche alkohol- und drogenkonsumierende Jugendliche.

Hier klären ein Stationsarzt und eine Stationspsychologin in einem ambulanten Vorgespräch ab, ob ein junger Mensch neben der Suchtproblematik Symptome einer anderen Kinder- und jugendpsychiatrischen Störung aufweist. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Angsterkrankung, eine Depression, eine Psychose oder eine ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung) handeln.

Sind sich alle Beteiligten, einschließlich der Eltern/Erziehungsverantwortlichen, einig, dass eine stationäre Aufnahme notwendig und sinnvoll ist, zeigen die Mitarbeiter/-innen dem Patienten die Station, um einen Einblick in den gesamten Therapieablauf, die Therapieangebote und die räumliche Ausstattung der Klinik zu geben. Die eigentliche Aufnahme erfolgt in der Regel nach wenigen Wochen.

152 Patienten wurden im vergangenen Jahr auf der Station Spurwechsel stationär behandelt. Die meisten blieben ca. zehn Wochen. Manche schaffen es nicht im ersten Anlauf, ihre Sucht auf Dauer zu überwinden. Aber auch dann können sie sich an die Klinik wenden und es erneut versuchen.

Das Konzept der Station sieht zwei Behandlungsphasen vor: An eine etwa dreiwöchige Entgiftungsphase schließt sich die Psychotherapiephase an. Dazu wird für jeden Patienten ein individuelles Programm zusammengestellt, das unter anderem aus einer Einzel- und Gruppentherapie sowie Familiengesprächen besteht. Positive Ressourcen zu stärken, darauf liegt ein Fokus des Teams aus Ärzten, Psychologen, Sozialarbeiten, Therapeuten und dem Pflege- und Erziehungsdienst.

Außerdem erhält der oder die Jugendliche Unterstützung bei belastenden Schul- bzw. Ausbildungssituationen. Außerdem findet eine Rückfallprophylaxe statt, in der der Patient lernt, Signale für einen möglichen Rückfall zu erkennen und Strategien entwickelt, diesen zu vermeiden. Abschließend wird gemeinsam mit dem Team eine tragfähige Zukunftsperspektive erarbeitet, wie es für sie oder ihn nach der stationären Behandlung weitergeht.

Voraussetzung für eine Behandlung ist die Einsicht in die eigene Erkrankung sowie die Bereitschaft an sich zu arbeiten und am Gruppenleben teilzunehmen.



LWL-Einrichtung:
LWL-Klinik Marl-Sinsen
Haardklinik
Halterner Str. 525
45770 Marl
Karte und Routenplaner


24. November 2012

Alkohol ging leichtsinnig über die Ladentheke

Booze
Alkohol. Foto: © Mark Haertl/Flickr
www.flickr.com/photos/markhaertl/1214991890/


17 von 32 Geschäfte händigten
Hochprozentiges an Minderjährigen aus

Der Landkreis Leer und die Polizeiinspektion Leer/Emden brachen im November erneut zu Testkäufen auf. Ziel waren Lebensmittelgeschäfte, ein Kiosk sowie Tankstellen in den Gemeinden Rhauderfehn, Ostrhauderfehn, Uplengen, Bunde, in der Samtgemeinde Jümme sowie in den Städten Leer und Weener.


Der Landkreis und die Polizeiinspektion Leer/Emden kontrollierten insgesamt 32 Geschäfte hinsichtlich der Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen. Es wurden 18 Lebensmittelmärkte, 13 Tankstellen und ein Kiosk an drei Tagen geprüft.

Insgesamt wurden 17 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Auffällig war, dass der minderjährige Polizeischüler in 13 Fällen die Flasche mit dem hochprozentigen Alkohol ohne Altersnachfrage oder Ausweisvorlage erhielt. Der Alkohol ging leichtsinnig über die Ladentheke, so Karin Frieling, Jugendbeauftragte für den Landkreis Leer.

Bei der anschließenden Rückgabe des hochprozentigen Alkohols wurden die Verantwortlichen an den Kassen von Angela Neerhut, Beauftragte für Jugendsachen der Polizeiinspektion Leer/Emden, und von Karin Frieling auf ihr Verhalten angesprochen. Es wurde eingehend darauf hingewiesen, dass die Abgabeverbote des Jugendschutzgesetzes zu beachten sind und der Handel seine Verantwortung gegenüber Minderjährigen wahrnehmen muss.

Die Kassierer, die jeweils das erste Mal bei Testkäufen negativ auffielen, haben mit einer empfindlichen Geldbuße zu rechnen. Testkäufe wird es im Landkreis Leer weiterhin regelmäßig geben, so Frieling und Neerhut.


8. November 2012

Ein halbes Jahr rauchfrei leben – und gewinnen

Zum 16. Mal sind Schulklassen der sechsten bis achten Stufen eingeladen, beim bundesweiten Wettbewerb „Be Smart – Don’t Start“ mitzumachen. Die Herausforderung für die Schülerinnen und Schüler: Vom 12. November 2012 bis zum 26. April 2013 müssen sie rauchfrei bleiben. Schulklassen, die das schaffen, können attraktive Preise gewinnen – der Hauptgewinn ist eine Klassenfahrt im Wert von 5.000 Euro. Eine Anmeldung ist noch bis zum 10. November 2012 möglich – unter www.besmart.info, beim Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) unter der Telefonnummer 04 31/ 5 70 29 70 oder per E-Mail an besmart@ift-nord.de. Hier gibt es auch umfangreiche Informationen für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern.

Der Wettbewerb “Be Smart – Don´t Start“ hat das Ziel, das Thema Nicht-rauchen in einer für Jugendlichen attraktiven Form in die Schulen zu bringen und den Einstieg in das Rauchen so lange wie möglich zu verzögern oder ganz zu verhindern. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine Teilnahme bei den Schülerinnen und Schülern zu geringeren Raucherquoten führt. 

Die Anmeldung zu „Be Smart – Don’t Start“ ist kostenfrei und eignet sich in jeder Schulform insbesondere für sechste bis achte Klassen. Auf der Webseite www.besmart.info und in einer Info-Mappe für Lehrkräfte finden sich viele Tipps für die Umsetzung des Wettbewerbs. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unterstützt die wiederholte Teilnahme am Wettbewerb mit Sonderpreisen, da die Erfolge auf diesem Wege gefestigt werden können. Auch kreative Aktivitäten zum Thema Nichtrauchen werden gesondert ausgezeichnet.

„Be Smart – Don’t Start“ wird vom Institut für Therapie- und Gesundheits-forschung in Kiel angeboten und von der Deutschen Krebshilfe e.V., der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Deutschen Herzstiftung e.V., der Deutschen Lungenstiftung, dem AOK-Bundesverband sowie von weiteren öffentlichen und privaten Institutionen gefördert. Ansprechpartner in den einzelnen Bundesländern betreuen den Wettbewerb vor Ort.

In den letzten 15 Jahren haben über 120.000 Schulklassen mit mehr als drei Millionen Schülerinnen und Schülern an „Be Smart – Don’t Start“ teil-genommen. Im Schuljahr 2011/2012 machten rund 10.000 Klassen bei dem Wettbewerb mit – zwei Drittel davon gelang es, über ein halbes Jahr lang rauchfrei zu bleiben.

Hintergrund-Informationen: Der Wettbewerb „Be Smart – Don’t Start“


Der Wettbewerb „Be Smart – Don’t Start“ ist ein Programm zum Nichtrau-chen für Schüler im Alter von elf bis vierzehn Jahren. Viele Jugendliche beginnen in diesem Alter mit dem Rauchen zu experimentieren. Die Regeln des Wettbewerbs sind einfach: Mindestens 90 Prozent der Schüler einer Klasse entscheiden sich dafür, am Wettbewerb teilzunehmen. Damit verpflichten sie sich, ein  halbes Jahr lang nicht zu rauchen. Wenn mehr als zehn Prozent der Schüler rauchen, scheidet die Klasse aus dem Wettbewerb aus. Die Schulklassen, die ein halbes Jahr lang rauchfrei waren, nehmen an einer Lotterie teil, bei der Geld- und Sachpreise verlost werden. Viele beteiligte Klassen führen zudem begleitende kreative Aktionen zum Thema „Nichtrauchen“ und zur Gesundheitsförderung durch, für die gesonderte Auszeichnungen vergeben werden. 



7. November 2012

Cybermobbing - Jeder dritte Schüler bereits Opfer

Mehr als jeder dritte Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren war in Nordrhein-Westfalen bereits einmal Opfer einer Cybermobbing-Attacke. Dabei wurde laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) jeder fünfte betroffene Schüler im Internet oder per Handy direkt bedroht oder beleidigt. Jeder Sechste litt unter Verleumdungen und bei elf Prozent kam es zu einem Missbrauch der Internetidentität. Gemeinsam mit dem Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz der Bielefelder Polizei informierte die Kasse heute über Hilfen und Strategien im Umgang mit Cybermobbing.

"Schon früher haben Jugendliche auf dem Schulhof gestritten oder in der Clique gelästert. Aber heute gibt es einen fatalen Unterschied: Das Netz vergisst nichts und ist grenzenlos", erläutert Ulrich Adler, Leiter regionales Vertragswesen der TK in NRW, die neue Qualität des Mobbings. Deshalb ergänzte die TK ihr Aufklärungsportal "www.gewalt-gegen-kinder.de" um das Kapitel "Cybermobbing".

"Die Forsa-Studie bestätigt auch unsere Erfahrungen: Cybermobbing ist kein Randphänomen, sondern weitverbreitete Realität", sagt Monika Atorf, Kriminaloberkommissarin aus Bielefeld. Angesichts der Verbreitung des Internets sei dies keine Überraschung. "Schließlich ist für Jugendliche das Internet heutzutage selbstverständlicher Alltag", weiß die Expertin der Polizei.

Mobber im Internet begehen Straftaten. Jede Beleidigung, Bedrohung, das Ausspähen von Daten oder Nachstellung im Netz hat Konsequenzen. Das Strafgesetzbuch sieht für Fälle von Beleidigungen eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vor. Bei Erpressungen liegt das Strafmaß sogar bei bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe.

Laut TK-Studie nutzen 99 Prozent der Befragten das weltweite Netz. Täglich surfen 69 Prozent der nordrhein-westfälischen Schüler länger als eine Stunde im Internet, 63 Prozent sind in sozialen Netzwerken aktiv, 36 Prozent in Chatrooms.

Die Opfer einer Cybermobbing-Attacke sind nicht nur wütend (70 Prozent), verzweifelt (24 Prozent) oder fühlen sich hilflos (22 Prozent), sondern leiden auch unter körperlichen Folgen. Von Schlafstörungen berichten 17 Prozent, Kopfschmerzen nennen 10 Prozent und Bauchschmerzen acht Prozent als Reaktion auf Cybermobbing. "Auf Grundlage der Forsa-Umfrage müssen wir davon ausgehen, dass rund 400.000 Schülern allein in NRW bisher Opfer von Cybermobbing geworden sind. Angesichts dieser Daten besteht dringender Handlungsbedarf. Als Krankenkasse wollen wir mit dem neuen Baustein Cybermobbing im Portal 'www.gewalt-gegen-kinder.de' helfen", unterstreicht Ulrich Adler.

Auch die Polizei Bielefeld ist der Ansicht, dass Aufklärung und Information über Cybermobbing verbessert werden müssen. Vor allem, um schon die Anfänge von Cybermobbing zu vermeiden. Bereits im Vorfeld können Schülerinnen und Schüler darauf achten, ihre Privatsphäre zu schützen. Denn ein leichtfertiger Umgang mit persönlichen Daten wie Wohnadresse, eMail-Adresse, private Fotos, Passwörter und Telefonnummer öffnet Cybermobbern Tür und Tor.


Für Opfer von Cybermobbing-Attacken gibt die Polizei folgende Tipps: 
  • bleibe ruhig und mobbe niemals zurück
  • hole dir Hilfe von erwachsenen Vertrauenspersonen (z.B. Eltern oder Lehrer) und entscheidet gemeinsam über das weitere Vorgehen
  • sichere Beweise (SMS, eMails, Bilder)
  • melde Belästigungen indem du oder deine Eltern Kontakt mit dem Anbieter der Plattform aufnehmen
  • sofern die Möglichkeit besteht, sperre Personen die dich belästigen

Hilfe finden Betroffene zudem bei Beratungsstellen vor Ort. Entsprechende Adressen gibt es beim Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz der Bielefelder Polizei, Tel.: 05 21 / 54 5-0.
  

Hintergrund:

Für die Forsa-Umfrage wurden im Jahr 2011 in Nordrhein-Westfalen 1.000 deutschsprachige Schüler zwischen 14-20 Jahren telefonisch interviewt. 

Quelle: www.tk.de
Stand: 30/10/12


5. November 2012

Kinder und Eltern in schwierigen Lebenslagen

Frühe Hilfen - damit will der Bund Kindern und Eltern in schwierigen Lebenslagen helfen. Denn nach Schätzung von Experten sind etwa zehn bis 15 Prozent der Kinder in Deutschland von schwierigen familiären Verhältnissen betroffen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird deshalb heute (Montag) gemeinsam mit den Ländern die Bundesinitiative Frühe Hilfen starten.

"Wir müssen Eltern und ihren kleinen Kindern rechtzeitig und umgehend helfen, wenn sie Unterstützung benötigen", sagte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, bei der Auftaktveranstaltung der Bundesinitiative in Berlin. "Unser Ziel ist deshalb, dass wir die schon vorhandenen Frühen Hilfen weiter etablieren und ausbauen. Mit der Bundesinitiative schaffen wir jetzt die strukturellen Voraussetzungen dafür, dass die Unterstützungsangebote bald flächendeckend in allen Kommunen vorhanden sind."

"Viele Länder und Kommunen haben bereits den Aufbau von Frühen Hilfen vorangetrieben. Deshalb stehen auch wir Länder hinter der Bundesinitiative Frühe Hilfen", sagte Christine Clauß, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz. "Ich bin überzeugt, dass die Bundesinitiative ein Erfolg wird, weil die Erfahrungen der Länder und Kommunen in die nun vorliegenden Förderkonzepte eingeflossen sind. Die Bundesinitiative knüpft nahtlos an die Strukturen eines jeden Landes an."

In einer Verwaltungsvereinbarung haben Bund und Länder gemeinsam die Fördergrundsätze für die Bundesinitiative zugrunde gelegt. Darin werden die Voraussetzungen für die Vergabe der Mittel an die Kommunen geregelt, um den Ausbau der bereits vorhandenen Angebote vor Ort zu erreichen.

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) begleitet die Bundesinitiative als Kompetenzzentrum und Koordinierungsstelle des Bundes. Hier sind Wissen und Erfahrung aus dem Gesundheitswesen und aus der Kinder- und Jugendhilfe vereint: Denn Träger des NZFH sind die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und das Deutsche Jugendinstitut (DJI).

BZgA-Direktorin Prof. Dr. Elisabeth Pott betonte: "Belastete Familien müssen frühzeitig von den Angeboten erreicht werden, damit so viel wie möglich präventiv - also vorbeugend - getan werden kann. Wichtig ist es, Ärztinnen und Ärzte in die Netzwerke einzubinden, Sie erkennen oft sehr früh, welche Familien Unterstützung benötigen. Sie können dann über die Netzwerke eine Verbindung zu passgenauen Angeboten, beispielsweise zu Familienhebammen, herstellen."

Die Bundesinitiative fördert den Auf- und Ausbau der Netzwerke Frühe Hilfen in Kommunen. Dazu gehört zum einen der Einsatz von Netzwerkkoordinatoren sowie deren Qualifizierung. Sie sollen dafür sorgen, dass die vielen guten Angebote - etwa der Schwangerenberatung, des Gesundheitsbereichs und der Jugendhilfe - besser untereinander abgestimmt werden. Zum zweiten wird der Einsatz von Familienhebammen und vergleichbaren Berufsgruppen aus dem Gesundheitsbereich gefördert. Sie übernehmen die Lotsenfunktion von der Familie zu den Netzwerken. Zum dritten werden Projekte gefördert, in denen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer Familien bei der Alltagsbewältigung unterstützen. Informationen zu Angeboten Früher Hilfen gibt es in der Regel beim Jugend- bzw. Gesundheitsamt.

Das Bundesfamilienministerium stellt den Ländern und Kommunen für die Frühen Hilfen in den nächsten drei Jahren 177 Millionen Euro zur Verfügung. Nach 2015 wird die Arbeit dauerhaft durch einen Fonds unterstützt, für den der Bund jährlich 51 Millionen Euro bereitstellt. Das NZFH wird in den nächsten drei Jahren den Fachaustausch und die Forschung koordinieren. Ein Zwischenbericht mit ersten konkreten Empfehlungen für die weitere Umsetzung Früher Hilfen soll dem Bundestag am 30. Juni 2014 vorgelegt werden.

Zum heutigen Start der Bundesinitiative diskutieren 300 Fachkräfte aus Bund, Ländern und Kommunen über ihre Erfahrungen mit den Frühen Hilfen und erarbeiten gemeinsam Grundlagen für das weitere Vorgehen.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.fruehehilfen.de und http://www.bmfsfj.de.


Quelle: www.bzga.de


29. Oktober 2012

Kindern helfen – bevor sie auf die schiefe Bahn geraten


Kindern und Jugendlichen, die kriminell und auffällig geworden sind, soll frühzeitig geholfen werden.  Das Land Nordrhein-Westfalen hat dafür vor einem Jahr ein neuartiges, bundesweit einmaliges Projekt gestartet. In enger Zusammenarbeit zwischen Polizei, freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe und dem Jugendamt bekommen gefährdete Kinder und Jugendliche eine individuelle Förderung, die verhindern soll, dass sie ganz auf die schiefe Bahn geraten und zu Intensivtätern werden. Jetzt kann die Initiative „Kurve kriegen“ mit der Kölner Kultband „Paveier“ auf die Mitwirkung prominenter Mitstreiter setzen.

Die „Paveier“ haben für das Projekt einen eigenen Song komponiert und auch bereits einen eindringlichen Video-Clip produziert. Bei der Vor­stellung von Song und Musikvideo zog NRW-Innenminister Ralf Jäger in Köln ein erstes positives Resümee der NRW-Initiative und begrüßte das außergewöhnliche Engagement der bekannten Musikgruppe. Die sechs Musiker aus Köln hatten sich nämlich angeboten, auch mit einzelnen Kindern und Jugendlichen aus dem Projekt „Kurve kriegen“ zu arbeiten.

Die „Paveier“ wollen mit ihrem persönlichen Einsatz dem Projekt einen zusätzlichen Schwung geben und für eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sorgen. Bandmitglied Klaus Lückerath fühlt sich als ehemaliger Lehrer besonders herausgefordert, etwas für die Jugend­lichen zu tun. Er sieht gleich mehrere Betätigungsfelder, wo gefährdete Kinder in der Band mit anpacken können und dabei lernen, Verant­wortung zu übernehmen: „Sie können uns beispielsweise vor unseren Auftritten beim Aufbau helfen und dabei ‚backstage‘ hautnah die Arbeit im Musikbusiness kennenlernen.“ Lückerath sieht im Einzelfall sogar eine berufliche Perspektive für die Jugendlichen.

Bandmitglied Sven Welter hat bereits den zwölfjährigen Philipp (Name geändert) aus dem Projekt  unter seine Fittiche genommen. Als passionierten Tischtennisspieler hat er ihn für den schnellen Sport be­geistert. „Ich bin mir sicher, dass er im Tischtennisverein dort bald auf andere Gedanken kommt und neue Freunde findet“, hofft Welter. Auch die anderen Bandmitglieder sind von dem Projekt begeistert und unter­stützen „Kurve kriegen“. Die „Paveier“ zählen zusammen mit den „Bläck Fööss“, den „Höhnern“ und „Brings“ zu den bekanntesten kölschen Gruppen.

Köln ist eine von acht Modellregionen, die vor über einem Jahr für die Umsetzung von „Kurve kriegen“ ausgewählt wurden. Aktuell werden von den beiden Sozialpädagogen, die bei der AWO für das Projekt zustän­dig sind, 26 Familien begleitet. 22 Jungen und vier Mädchen haben individuelle Angebote bekommen und werden intensiv betreut.

Neben Köln ist die Initiative „Kurve kriegen“ auch in Aachen, Bielefeld, Dortmund, Duisburg, Hagen, dem Rhein-Erft-Kreis und dem Kreis Wesel gestartet. Inzwischen nehmen in allen Modellregionen zusammen 178 Kinder und Jugendliche (158 Jungen und 20 Mädchen) an verschie­denen pädagogischen Maßnahmen teil. Die einzelnen Maßnahmen und Angebote reichen von Nachhilfe über Teilnahme am Musikschulunter­richt, Coolness- und Anti-Aggressionstrainings bis hin zur Ernährungs­beratung für übergewichtige Kinder.
In jeder der acht Regionen werden in Kooperation mit freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe individuelle Maßnahmen durchgeführt. Diese setzen bei den jeweiligen Interessen und Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen an.

Innenminister Jäger begründete noch einmal die Dringlichkeit eines solchen Projektes mit einigen Zahlen: Im Jahr 2011 lag die Zahl der mehrfachtatverdächtigen Kinder und Jugendlichen in NRW bei 3.700. Sie haben knapp 29.000 Straftaten begangen. Das heißt: Nur sechs Prozent der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen verüben ein Drittel aller Straftaten dieser Altersgruppe.

„Ein Blick auf die hohe Rückfallquote von rund 70 Prozent nach Jugend­strafmaßnahmen macht deutlich, dass Abwarten und Wegsperren keine Lösungen sind“, betonte Jäger. Ein weiterer Aspekt sind die zu erwar­tenden Ausgaben. Jeder einzelne Platz im Jugendstrafvollzug kostet in NRW jährlich über 41.000 Euro. Verbunden mit der oftmals mangelnden Schul- und Ausbildung der betroffenen Kinder und Jugendlichen, sind die anschließenden Folgekosten immens. „Jedes Kind, das noch die Kurve kriegt, ist ein Gewinn für die Gesellschaft", betonte Ralf Jäger.

Weitere Informationen des Projektes finden Sie im Internet unter www.kurvekriegen.nrw.de


Quelle: www.nrw.de



Gefahr durch Energy-Drinks

Energy-Drinks können für Kinder und Jugendliche zur Gefahr werden. Darauf weist die Verbraucherzentrale Hamburg hin und fordert das Verbot des Verkaufs an Personen unter 18 Jahren.

Nach mehreren Todesfällen, darunter ein 14-jähriges Mädchen, in den USA besteht der Verdacht, dass der übermäßige Konsum von Energy-Drinks die Ursache sein könnte. Auch aus Deutschland sind Fälle unerwünschter Wirkungen auf das Herz-Kreislauf System nach dem übermäßigen Konsum von Energy Drinks bekannt. Denn diese Getränke haben einen hohen Koffeingehalt – etwa dreimal so viel wie Cola - und enthalten andere Inhaltsstoffe wie Taurin, bei denen negative Wechselwirkungen nicht sicher ausgeschlossen werden können. Ist der Konsum von Energy-Drinks mit Alkohol und körperlicher Anstrengung verbunden, etwa in der Disko, besteht die Gefahr, dass sich die Nebenwirkungen zu Krampfanfällen oder Herzrasen verstärken. Systematische aussagekräftige Langzeitstudien fehlen noch.

„Gerade Kinder und Jugendliche müssen geschützt werden, da in der Disko und beim Sport die Gefahr eines übermäßigen Konsums besteht“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Eine noch größere Gefahr besteht nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg bei Energy-Shots. Dabei handelt es sich um hochkonzentrierte Produkte in kleinen Portionsgrößen, die bei Durst dazu verleiten, mehrere Portionen zu trinken. Auch wird der bittere Geschmack des Koffeins durch extreme Süße und Aroma unterdrückt. Die Hersteller nutzen hier Schlupflöcher, indem sie Energy-Shots nicht als Erfrischungsgetränke sondern als „Nahrungsergänzungsmittel“ verkaufen und dadurch die gesetzlichen Vorgaben für Erfrischungsgetränke umgehen. So sind beispielsweise im Red Bull Shot 80 Milligramm Koffein pro 60 Milliliter enthalten. Das entspricht mehr als 1300 Milligramm pro Liter. Andere Produkte können bis zu 6000 Milligramm pro Liter enthalten. Diese „Nahrungsergänzungsmittel“ müssen die Verzehrsempfehlung „Nur eine Portion pro Tag“ tragen, die aber von Konsumenten häufig nicht eingehalten wird. Bei nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch beurteilt  das Bundesinstitut für Risikobewertung diese Getränke  als nicht sicher. Die Verbraucherzentrale fordert das generelle Verbot des Verkaufs von hoch dosierten Energy-Konzentraten.

Die Verbraucherzentrale hält die bisher ergriffenen Maßnahmen zur Kennzeichnung für völlig unzureichend. Das Gesetz schreibt für Energy-Drinks den Hinweis „erhöhter Koffeingehalt“ vor, gefolgt von der Angabe, wie viel Koffein in 100 Milliliter Getränk vorhanden ist. Das gilt sowohl für verpackte wie auch lose Ware. Erst ab 13. Dezember 2014 wird mit der dann EU-weit gültigen Lebensmittelinformationsverordnung ein weiterer Warnhinweis notwendig. Dieser muss in demselben Sichtfeld wie die Bezeichnung des Getränks mit dem Wortlaut „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und Schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“ stehen.

Quelle: www.vzhh.de
Stand:29/10/12


23. Oktober 2012

Junge Fahrer neben der Spur


Autofahrer zwischen 18 und 24 Jahren haben laut ADAC Unfallforschung das höchste Risiko, einen schweren oder tödlichen Unfall zu erleiden. Obwohl diese Altersklasse nur acht Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, zählen 20 Prozent der Schwerverletzten sowie jeder vierte Verkehrstote laut Statistischem Bundesamt zu dieser Gruppe. Im Vergleich zur Allgemeinheit passieren die schweren Unfälle bei den Jungen doppelt so häufig in der Nächten am Wochenende – die sogenannte „Discounfälle“.

Bei der aktuellen ADAC Analyse von 2200 Fällen zeigt sich, dass 63 Prozent in dieser Altersgruppe ohne den Einfluss eines anderen Fahrzeuges verunglücken – größtenteils kommen die Fahrer von der Straße ab. Dieser sogenannte „Fahrunfall“ ist bei jungen Pkw-Lenkern der häufigste Unfalltyp – ausgelöst durch den Verlust der Fahrzeugkontrolle. Auch überhöhte Geschwindigkeit in Kurven und Fehler beim Überholen sind Hauptursachen der schweren Unfälle.

Wie die ADAC Auswertung weiter zeigt, fahren 18 bis 24jährige oft mit kleineren und älteren Autos (durchschnittliches Fahrzeugalter neun Jahre), die nicht über die heute üblichen aktiven und passiven Sicherheitstechniken verfügen.

Deshalb rät der Automobilclub dazu, auch gebrauchte Autos nur mit ESP zu kaufen, um bei einem Kontrollverlust das Verletzungsrisiko zu minimieren. Außerdem sollten Front-, Seiten- und Kopfairbags vorhanden sein.

Ein weiterer Tipp ist der Besuch eines speziellen Sicherheitstrainings für Fahranfänger. Hier können die jungen Menschen in gesicherter Umgebung den Umgang mit Extremsituationen üben.

Außerdem fordert der ADAC eine Verbesserung der Infrastruktur an Unfallschwerpunkten, wie beispielsweise profilierte Seitenmarkierungen.

Um die Dramatik der sogenannten „Discounfälle“ zu veranschaulichen präsentiert der ADAC am 18. Oktober die Ergebnisse eines Crashtests, der zeigt was passiert, wenn ein Kleinstwagen mit vier jungen Menschen gegen einen Baum prallt.   




19. Oktober 2012

Impfen: Was Erwachsene, Kinder und Reisende brauchen


Aus Sicht der Stiftung Warentest ist es wenig sinnvoll, ältere Menschen generell gegen Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose zu impfen. Die Wirksamkeit der Grippeimpfung nimmt mit höherem Alter nachweislich ab. Und wie wirksam die Pneumokokken-Impfung sowie die – derzeit nicht verfügbare – Impfung gegen Gürtelrose ist, ist bei der Altersgruppe nicht gut belegt. Das berichtet die Stiftung Warentest in einem Themenpaket Impfen auf www.test.de
.
Drei Impfungen sind nach Einschätzung der Stiftung Warentest dagegen für jeden Erwachsenen sinnvoll: gegen Tetanus und Diphtherie, zwei lebensbedrohliche Krankheiten, sowie gegen Keuchhusten. Letzterer tritt derzeit vermehrt bei Erwachsenen auf; frühere Erkrankungen und Impfungen schützen nicht dauerhaft. Manche Erwachsene brauchen außerdem Nachholimpfungen gegen Polio, Masern, Mumps und Röteln – wenn sie keinen vollständigen Schutz aus der Kindheit haben.

Viele Erwachsenen haben nicht alle Impfungen, die die zuständige Ständige Impfkommission offiziell empfiehlt und die Krankenkassen erstatten. So sind nur 72 Prozent der Erwachsenen ausreichend gegen Tetanus geschützt.

Für die Einschätzungen der Stiftung Warentest hat ein Expertenkreis Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Impfungen und den zugehörigen Krankheiten beurteilt. Das 36-seitige Themenpaket Impfen unter www.test.de/impfen enthält neben Tipps für Erwachsene Einschätzungen zu den wichtigsten Kinder- und Reiseimpfungen, einen Impfkalender für Kinder und Erwachsene, Antworten auf wichtige Leserfragen und die Ergebnisse einer Online-Umfrage mit mehr als 10 000 Teilnehmern.


Quelle: www.test.de


17. Oktober 2012

Bettnässen: Neue Wege zu einer trockenen Nacht


Etwa jedes zehnte Kind im Alter von sieben und zehn Jahren nässt wiederholt nächtlich ein; tagsüber etwa jedes Fünfte. Meistens fehlt den Betroffenen die Kontrolle über ihre Blase, die jedoch von ihnen erlernt werden kann. Um die Diagnostik und Behandlung von kindlicher Harninkontinenz zu vereinheitlichen, kindgerecht und möglichst ohne belastende Maßnahmen zu gestalten, haben sich Fachleute aus Medizin, Psychologie, Pädagogik und Physiotherapie zusammengetan und ein abgestuftes Behandlungskonzept und ein Schulungsprogramm entwickelt, das sich an betroffene Kinder und deren Familien richtet. Am 26. und 27. Oktober treffen sie sich auf der 2. Gemeinsamen Jahrestagung der Konsensusgruppe Kontinenzschulung im Kindes- und Jugendalter (KgKS) und der AG Urotherapie in Bonn.

Bettnässen ist ein Tabuthema und wird häufig auf psychische Faktoren geschoben. Doch der Erwerb der Blasenkontrolle ist ein hochkomplexer und sehr störungsanfälliger Reifungsprozess. Bis zur Vollendung des fünften Lebensjahres ist Bettnässen in der Regel altersgemäß. „Der Zeitpunkt, zu dem es krankhaft wird, ist für jedes Kind individuell. Neben medizinischen Kriterien spielen vor allem Entwicklungsaspekte und die Lebenssituation des Kindes eine Rolle“, sagt Thomas Engels, Urotherapeut und Pflegeleiter an der Urologischen Poliklinik des Universitätsklinikum Bonn.

Als Mitglied der KgKS sieht er die Harninkontinenz im Kindes- und Jugendalter als sehr vielschichtig an. So ist sie beispielsweise nicht nur Folge einer gestörten Blasenfunktion oder Hormonstörungen. Vielmehr basiert sie auf einer komplexen Wechselwirkung von körperlichen, seelischen und sozialen Faktoren. Dabei fällt auch die gesellschaftliche und familiäre Wertung des Einnässens ins Gewicht. „Dies alles muss bei der Diagnostik und Therapie betroffener Kinder und Jugendlicher berücksichtigt werden“, sagt Engels.


Ein Gefühl für den Körper entwickeln


Die neue Kontinenzschulung basiert auf der so genannten Urotherapie, bei der nur verhaltenstherapeutische, systemische und lösungsorientierte Elemente zum Einsatz kommen. Die Betroffenen lernen zunächst spielerisch ihren Körper besser kennen und dessen Signale besser wahrzunehmen. Zudem wird das Trink- sowie das Toilettenverhalten besprochen und die Umsetzung in den normalen Tagesablauf geplant. „Das Kind lernt seine Blase so zu trainieren, dass sie ihm automatisch gehorcht“, sagt Engels. „Dieser Prozess verlangt viel Ausdauer und Willenskraft von den Kindern. Sie brauchen positive Unterstützung seitens der Eltern.“

Sind organische Ursachen ausgeschlossen können Kinder und Jugendliche mit einer Harninkontinenz nach einer individuellen Prüfung an einer Kontinenzschulung teilnehmen. Das Schulungsteam ist interdisziplinär zusammengesetzt: Arzt, Psychologe oder Pädagoge sowie Medizinische Assistenzberufe wie Kinderkrankenpfleger, Physiotherapeut, Ergotherapeut oder Urotherapeut. Mindestens ein Mitglied des Schulungsteams muss ein Trainerzertifikat der KgKS besitzen.

Weitere Informationen gibt es unter www.kontinenzschulung.de und www.urotherapie.de




Übergewichtige Kinder - Prävention statt Reduktion


Maßnahmen zur Gewichtsreduktion übergewichtiger Kinder bringen meist nur kurzfristige Erfolge. Das ist das Resultat einer Langzeitstudie im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). "Umso wichtiger ist es, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention zu stärken, sodass Übergewicht im Kindesalter gar nicht erst entsteht", erklärt BZgA-Direktorin Dr. Elisabeth Pott. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber im Rahmen einer so groß angelegten Studie in Deutschland doch ein weiterer Beweis für dringenden Handlungsbedarf.

An der Untersuchung nahmen über 1.900 übergewichtige Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 16 Jahren teil, die entweder rund ein Jahr ambulant oder sechs Wochen stationär behandelt wurden. Knapp 50 Einrichtungen in ganz Deutschland waren beteiligt. Mehr als jeder zweite junge Patient konnte das Übergewicht während der Behandlungszeit reduzieren. Doch nur bei 14 Prozent der Heranwachsenden war die Gewichtsabnahme auch noch ein bis zwei Jahre nach Abschluss der Maßnahmen festzustellen. Weitere Ziele wie mehr Bewegung im Alltag, eine gesündere Ernährung und weniger Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer wurden langfristig nur bei 10 bis 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreicht.

Ernährungsgewohnheiten werden vor allem im Kleinkindalter geprägt. Wenn Kinder von klein auf gesund und abwechslungsreich essen und trinken, greifen sie auch als Erwachsene eher auf ein großes Sortiment an Lebensmitteln zu. "Dabei sind die Eltern als Vorbilder gefragt", erklärt Harald Seitz, Ernährungswissenschaftler vom aid infodienst. "Wer mit seinem Kind Lebensmittel einkauft, gemeinsam kocht und zusammen am Tisch sitzt, vermittelt Spaß am Essen. Dann lassen sich günstige Ernährungsgewohnheiten leichter erlernen und beibehalten, und auch Gewichtsprobleme sind seltener", so Seitz.

Heike Kreutz, www.aid.de


Weitere Informationen:


 aid-Heft "Das beste Essen für Kinder", Bestell-Nr. 61-1447, Preis: 2,50 Euro, http://www.aid-medienshop.de


Quelle: www.aid.de
Stand: 10/10/12


28. September 2012

Tag der Schulverpflegung


Cookie Madness Monday'sEin konstantes Verpflegungsangebot in Schulen gehört inzwischen vielerorts selbstverständlich zum Schulalltag. Das Essen in der Schule soll schmecken und vor allem von Schülerinnen und Schülern angenommen werden. "Eine gesunde und regelmäßige Ernährung ist eine zentrale Voraussetzung für Konzentration und Lernvermögen.

Das Netzwerk Schulverpflegung berät und unterstützt Schulen und Schulträger darin, eine qualitativ hochwertige Verpflegung an nordrhein-westfälischen Schulen anzubieten", erklärt NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel anlässlich des Tags der Schulverpflegung am 26. September. Seit der Umstellung auf Ganztagsbetrieb bieten landesweit zwei von drei Schulen quer durch alle Schulformen eine Mittagsverpflegung für Schülerinnen und Schüler an.

Dies ist keine leichte Aufgabe. Viele – Schulträger, Lehrer, Eltern und Schüler sowie Köche und Caterer – haben sich bisher schon für eine rundum gute Schulverpflegung stark gemacht. Trotzdem geht es in vielen Schulen immer noch darum, externen Anbietern von Pizzen, Pita-Brötchen und Plunder-Teilchen den Rang abzulaufen und die Akzeptanz des Schulessens bei den Schülerinnen und Schülern zu erhöhen.

Wie vor allem Kinder und Jugendliche mehr Lust auf das Speisenangebot in ihrer Mensa bekommen, ist Thema der heutigen Fachtagung "Mehr Qualität in der Schulverpflegung", in der interessierte Akteure rund um die Schulverpflegung Erfolgsfaktoren für Akzeptanz und Nachhaltigkeit des Angebots diskutieren. Die Ergebnisse sollen in die tägliche Arbeit vor Ort an Schulen, bei Schulträgern, Speisenlieferanten sowie Schüler- und Elterninitiativen zum Schulessen einfließen. "Die vielerorts schon gute Verpflegungsqualität braucht mehr Zustimmung und eine dauerhafte Verankerung an den Schulen. Dazu müssen wir so viele Akteure wie möglich zu einem gegenseitigen Austausch an einen Tisch bekommen. Nur so können wir tragfähige Anregungen für eine durchgängig gute und realisierbare Verpflegungsqualität erhalten, in der auch die Essgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden", bringt Ludwig Hecke, Staatssekretär des NRW-Schulministeriums das Anliegen der Fachtagung auf den Punkt.

School Food - Chicken NuggetsSchulverpflegung umfasst mehr als bloße Nahrungsaufnahme. Gemeinsames Essen vermittelt der der nachwachsenden Generation ein Gemeinschaftsgefühl an ihrer Schule und leistet auch außerhalb des Klassenraums einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Lernen. Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, konkretisiert dies so: "Kinder und Jugendliche können beim Essen in der Gruppe und bei der Behandlung von Ernährungsthemen im Unterricht ein gesundes Essverhalten erlernen und auch noch Fähigkeiten erwerben, die wichtige Weichen stellen, um lebenslang nachhaltig zu denken und verantwortungsbewusste Konsumentscheidungen zu treffen."

Neben den Teilnehmern auf der Fachtagung werden am diesjährigen, zweiten Tag der Schulverpflegung auch zahlreiche Schulen in Nordrhein-Westfalen aktiv. Sie öffnen die Türen zu ihren Mensen und lassen Neugierige an diesem Tag – begleitet von zahlreichen Bildungsaktionen – in ihre Töpfe schauen, um Lernende, Eltern und weitere Interessenten für das Thema Schulverpflegung zu sensibilisieren oder sogar zu begeistern.

Die bei der Verbraucherzentrale NRW angesiedelte "Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW" – gefördert mit Mitteln des nordrhein-westfälischen Verbraucher- sowie Schulministeriums und des Bundesverbraucherministeriums – unterstützt sämtliche Akteure dabei, ein gesundes und für Schüler attraktives Speisenangebot an den jeweiligen Schulen von der Idee in die Tat umzusetzen. Nähere Informationen und Kontaktdaten unter www.schulverpflegung.vz-nrw.de

Quelle: www.vz-nrw.de
Stand: 26/09/12